Geburtstag von Liselotte Welskopf, geb. Henrich am 15. September

Am 15. September 2017 wäre die bekannte Schriftstellerin und Althistorikerin 116 Jahre alt geworden. Geboren in München, lebte sie seit 1913 in Berlin und starb am 16. Juni 1979 in Garmisch-Partenkirchen.

In der Nazizeit half sie Juden und politischen Häftlingen. Dabei lernte sie ihren späteren Ehemann August Rudolf Welskopf  kennen, verhalf ihm zur Flucht aus dem KZ und versteckte ihn mit Unterstützung von Pfarrer Harald Poelchau ein Dreivierteljahr bis zur Befreiung Berlins. Diese Geschichte schilderte sie in ihrem weitgehend autobiografischen Roman "Jan und Jutta".

In der DDR konnte sie lange gehegte Wünsche verwirklichen. Sie wurde Dozentin für Alte Geschichte an der Humboldt-Universität, 1960 Professor und 1964 erstes weibliches ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Als Verfechterin der Theorie von der "asiatischen Produktionsweise" wandte sie sich gegen das vulgärmaterialistische Geschichtsbild Stalin'scher Prägung.

Unter ihrem wissenschaftlichen Autorennamen Elisabeth-Charlotte Welskopf erwarb sie sich internationale Anerkennung mit Forschungen zu Wandel und Krise der altgriechischen Stadtstaaten.

Administrativen Hindernissen zum Trotz initiierte sie in den 70er Jahren weltweite fachliche Kooperationsprojekte. Damit ebnete sie auch einer Reihe von jungen Wissenschaftlern aus der DDR den Weg zu internationalen Kontakten.

Bekannt und beliebt ist sie vor allem wegen ihrer spannenden historischen Romane über das Leben der nordamerikanischen Indianer. Seit 1951 erschienen die "Söhne der großen Bärin" beim Altberliner Verlag; seit 1970 in sechs Bänden.

Authentische Details, packende Abenteuer und einfühlsame Naturschilderungen fesselten schon Generationen deutscher Jugendlicher. Die "Söhne..." stehen derzeit vor einer Neuausgabe im Palisander-Verlag Chemnnitz. Sie wurden bereits in 18 Sprachen verlegt; die Gesamtauflage im deutschsprachigen Raum beläuft sich auf etwa 3,5 Millionen Exemplare. Dazu kommen Übersetzungen mit mindestens einer Million Exemplare.

Auch bei der Kritik gelten die Werke Liselotte Welskopf-Henrichs als Abenteuerliteratur im besten Sinne. So erhielt sie für die "Söhne..." einen 1. Preis für Jugenderzählungen in der DDR und den Friedrich-Gerstäcker-Preis der Stadt Braunschweig.

In den 60er und 70er Jahren besuchte sie mehrmals Indianerreservationen in den USA und Kanada und unterstützte den Kampf der Ureinwohner um ihre Rechte. Bei den Dakota erhielt Liselotte Welskopf-Henrich den Ehrennamen "Lakota-tashina" (Schutzdecke der Dakota).

Aufgrund ihrer dortigen Erlebnisse und Eindrücke entstand der fünfbändige Romanzyklus "Das Blut des Adlers" (erster Band 1966 "Nacht über der Prärie"; fünfter Band 1980 "Das helle Gesicht"), der vom Palisander-Verlag herausgegeben wird. Die Gesamtauflage im deutschsprachigen Raum beläuft sich mittlerweile auf etwa 1 Million Exemplare.

Beide Romanzyklen erschienen schon lange vor der Einigung in Lizenz auch in der Bundesrepublik und erfreuen sich nach wie vor eines großen Leseinteresses.

Liselotte Welskopf-Henrich verfolgte ihre Vorhaben hartnäckig und mit Geschick. Befragt nach ihren Eigenschaften und ihrem "Erfolgsrezept", sagte sie selbst einmal: "Ich bin ganz unglaublich zäh...."

Ihre Hobbies - sieht man von ihrem "Zweitberuf" als Schriftstellerin ab - waren in ihrer Jugend Bergsteigen und Klettern. Häufig fuhr sie in die Alpen, besonders gern nach Südtirol. Ihre Novelle "Der Bergführer" entstand aufgrund ihrer Erlebnisse beim Klettern.
Älter geworden, wanderte sie gern in den Bergen und reiste sehr viel, um andere Völker kennenzulernen. Auch ihre Schäferhunde, die sie in ihrem Anwesen in Berlin-Treptow hielt, kann man vielleicht als Hobby bezeichnen. Viele Anekdoten ranken sich um diese Hunde, die selbst von vielen Freunden gefürchtet wurden.

Im Rückblick auf ihr Leben und Werk sollten uns heute neben ihren beruflichen und schriftstellerischen Erfolgen vor allem ihr Gerechtigkeitsempfinden und ihre unmittelbare Hilfsbereitschaft für Bedrängte und Verfolgte im Gedächtnis bleiben.

 

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