
Indianer. Ende des Jahres, in dem der DEFA-Film → Die Söhne der großen Bärin in die Kinos kam, wurde ich drei Jahre alt. Zu jung für das Kino. Ich weiß also nicht so genau, wann ich wirklich in Berührung mit den Bärensöhnen kam. Die erste Klasse war kam vorbei und aus mir wurde eine Leseratte. Sicher lief der Film auch im Fernsehen und den durfte der „Große“ dann auch mal sehen und ich nehme an, es war um mich geschehen. Eine Tante besaß eine dreibändige Ausgabe, viel zu dick, um während der Schulzeit gelesen zu werden, befand unsere Mutter. Daher werden es die Herbstferien gewesen sein, in denen „Harka“ in mein Leseleben trat.

Dünner war das Buch Blauvogel von Anna Jürgen, auch das stand bei meiner Tante im Regal: Indianerstoff zur Genüge. In den nächsten Winterferien lag ein dünner blonder Bengel im Doppelstockbett in Holzau im Erzgebirge. Familienurlaub. Der heulte bitterlich, denn er hatte gerade seinen ersten literarischen Mord gelesen. Es war wohl etwas anderes, zu lesen, wie Red Fox dem Mattotaupa das Messer in die Brust drückte. Den habe ich bestimmt gehasst. Da hatte ich (vermutlich) zwar die Szene schon im Film gesehen, aber das zu lesen, wo ich doch die Vorgeschichte kannte, das war etwas für einen Achtjährigen.

Eine Reihe von Schulkumpels hatten ebenso wie ich „Plastikindianer“, eine Holz-Fort mit Palisaden und Blockhaus. Das BLOCKHAUS, das hatte schon eine Bedeutung. Selten fuhr unsere Oma mal an den Rhein um ihre Schwester zu besuchen und sich ein paar DM bei der Weinlese zu verdienen. So kam ich dann zu „Westindianern“. Die konnte man auseinander nehmen, neu zusammenstecken, Waffen konnte man austauschen und die hatten sogar Revolver-Holster mit herausnehmbaren Revolvern. So spielten wie die Bärensöhne nach.

Fasching: Klar, keine Frage was für ein Kostüm. Mutter bemühte die Nähmaschine bastelte eine Perücke mit schwarzen Wollrahmen, das Gesicht bekam etwas braune Schminke und fertig war Harka. Dass der sich seine Federn erst noch hätte verdienen müssen, das war völlig egal. Aber die Adlerfederkrone, wir nannten das Ding „Federhaube“, war von feinsten. Nicht einfach ein farbiges Stirnband mit Hühner- oder Gänsefedern. An den Hemden und Hosen waren Fransen und bestickt waren die Sachen auch. Meine Schwester hatte einen Rock und eine Weste aus grünem Kunstleder, mit Kaninchenfell besetzt.
Karl May las ich erst als fast Erwachsener. Dafür gabs in der Bibliothek die Bücher von Rudolf Daumann. Im DDR-Fernsehen lief Daniel Boone mit Fess Parker. Die Karnevalskostüme änderten sich zu Kaninchenfellmütze und (Kunst)Lederanzug. Da Spielzeugwaffen bei den Eltern nicht gern gesehen waren, gab es eine Ausnahme. Eine doppelläufige Spielzeugbüchse in deren Kolben silberne Reißzwecken gedrückt wurden. Mit einem Musketier-Kostüm endete diese Zeit – verändertes Leseverhalten inbegriffen.

Irgendwann sah in der Bibliothek ein Buch mit dem Titel Stein mit Hörnern. Schade, kein Bezugspunkt auf Anhieb zu sehen. So stellte ich es wieder ins Regal, nur, um ein paar Jahre später Das Blut des Adlers mit Begeisterung zu lesen.

Als ich, inzwischen fast 50 Jahre alt, ein Cover mit dem Titel Das Blut des Adlers sah, dachte ich, der Palisander-Verlag in Chemnitz hätte die fünf Bücher in einem Buch gedruckt für rund 80 Euro. So begann der Kontakt des neuen Buchbloggers mit Dr. Frank Elstner und dann Dr. Rudolf Welskopf. Ohne die hätte ich mich nie mit Gojko Mitič unterhalten.
Vielleicht wundert sich jetzt diese oder jener, aber näher mit Liselotte Welskopf-Henrich beschäftigte ich mich eben erst als Erwachsener. Nun also die Webseite, wegen der ich zu meinem Leseverhältnis zu LWH wohl eher nichts extra schreiben muss…
Sie lesen, ihr lest richtig: Ständig kommt das Wort Indianer hier vor. Eine der Hauptseiten dieses Blogs heißt auch „Indianisches“. Der Rückblick und die erzählte Zeit „kannte“ keinen anderen Begriff. Ich lehne es aber gleichzeitig ab, ihn als unpassend oder gar rassistisch anzusehen, zumal der Begriff „Indian“ unter den American Natives ebenfalls genutzt wird. In Bezug auf die Belletristik und vor allem der von Liselotte Welskopf-Henrich behalte ich ihn weitestgehend bei, bei Sachliteratur benutze ich ihn in der Regel nicht. Der vor kurzem hier eingestellte Post → Red Power zeigt, dass die Frage auch nicht entscheidend ist.
- DDR-Museum:https://www.ddr-museum.de/de/objects/1020377 ↩︎
UR, NZ – 04.08.2026