jüngste Vergangenheit und Gegenwart
Bis heute haben sich die Lebensumstände für die Native Americans in vielen der Reservationen nicht verbessert. Bittere Armut prägt nach wie vor das Leben beispielsweise der Oglala Lakota auf der Pine Ridge Reservation in South Dacota, die kaum Chancen haben, der Situation zu entkommen. So liegt die Arbeitslosenquote bei um die 90 Prozent und Oglala Lakota County, der Landkreis, in dem ein Großteil der Reservation liegt, weist das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen der USA auf, circa 90 Prozent der Bewohner leben unterhalb der Armutsgrenze, Hier liegt auch die Wahlbeteiligung nach wie vor fünf bis 14 Prozentpunkte unterhalb derjenigen anderer ethnischer Gruppen in den USA. Dies liegt zum einen daran, weil viele Menschen in Pine Ridge das Gefühl haben, dass sich für sie ohnehin niemals etwas geändert habe, egal unter welchem Präsidenten. Zum anderen scheint schon die Wählerregistrierung, wie auch bei den potentiellen afroamerikanischen Wählern, schwierig, da viele Bewohne rüber keine feste Adresse mit einem ordnungsgemäßen Straßennamen verfügen und bestenfalls ein Postfach angeben können, die von einem Prüfer akzeptiert werden müssen. Hinzu kommt, dass manche beim Ausfüllen der Registrierungsunterlagen Fehler machen und sie auf dem Formular korrigieren, was ebenfalls einen Ablehnungsgrund darstellen kann. Hier sind der Willkür Tür und Tor geöffnet, was gerade auch der Wahlkampf des Jahres 2020 wieder gezeigt hat, wo es dazu seitens der damaligen US-Regierung noch Bestrebungen gab, Briefwahlmöglichkeiten zu diskreditieren und einzuschränken.
Unter dem (deutschstämmigen!) Präsidenten Donald Trump, der vor allem seine weiße Wählerklientel bediente, was zu noch einem tiefen Riss in der Gesellschaft führte, gab es außerdem bei vielen Native Americans auch die wohl nur zu berechtigten Befürchtungen einer weiteren Verschlechterung ihrer ökonomischen Situation wegen der Privatisierungs-Politik des US-Präsidenten bzgl. der indianischen Reservationen wegen Rohstoffgewinnung, die dazu führen könne, dass es beispielsweise in der Reservation der Western Soshone in Nevada wegen des dort geplanten Goldabbaus zu deren Enteignung kommen könne. Und die Apache im Südwesten mussten eine Ablehnung des von ihnen angestrengten Mount-Graham-Verfahrens gegen die Inbetriebnahme von Kupferminen gewärtigen.
Hinzu kam es durch die Einsetzung von Bildungsministerin Betsy DeVos sowie Gesundheitsminister Thomas Price, beides radikale Trump-Anhänger und schärfste Gegner von Obamacare, d.h. Maßnahmen von Trumps Amtsvorgänger Barack Obama, zur Gefährdung von Förderprogrammen für Bildungsinstitutionen sowie der Gesundheitsversorgung zugunsten gerade auch der Native Americans.

Donald Trumps Politik in nordamerikanischen Reservationen ging dabei oftmals mit offenkundigen Vertragsbrüchen einher, wie die von ihm genehmigte Wiederaufnahme des Baus der Pipelines Dakota Access und Keystone XI in der Standing Rock Reservation in North Dacota sowie weitere diesbezügliche Pläne gegen den Widerstand der ansässigen Native Americans (Mögliche Trinkwassergefährdung durch evtl. Lecks in den Pipeline für 11 Millionen Menschen) beweisen. Übrigens wurden diese Maßnahmen seitens der Deutschen Bank (292 Millionen Euro) und der Münchner Bayern LB mitfinanziert. Vor diesem Hintergrund ist der Lakota-Ehrenname von Greta Thunberg zu sehen, welcher dieser anlässlich eines Besuchs der Standing Rock am 08. Oktober 2020 verliehen wurde.
Als die junge schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg 2020 nach ihrer Atlantiküberquerung in einem Segelboot in den USA weilte, besuchte sie unter anderem am 06. Oktober zunächst die „Pine Ridge Reservation“ (Süddakota) sowie am 08. Oktober die „Standing Rock Reservation“ (Norddakota), wobei ihr am zweiten Ort wegen ihrer Aktivitäten gegen den Klimawandel der Lakota-Ehrenname „Frau, die aus dem Himmel kam“ verliehen wurde. Eine ähnliche Ehrung war in den 1970er Jahren Liselotte Welskopf-Henrich in der Pine Ridge Reservation mit der Verleihung deren Ehrennamens – „Schutzdecke der Dakota“ zuteil geworden.

Was die allerjüngste Gegenwart anbelangt, hat der aktuelle US-Präsident Joe Biden hat nach seiner Wahl am 18.12.2020 erfreulicherweise erstmals in der Geschichte der USA eine amerikanische Ureinwohnerin als Ministerin ins Kabinett berufen. So nominierte er die Kongressabgeordnete Deb Haaland aus dem Bundesstaat New Mexico als Innenministerin. Haaland gehörte zu den ersten zwei Frauen, die 2018 als Ureinwohnerinnen in den US-Kongress gewählt wurden.
Debra Anne „Deb“ Haaland (* 2. Dezember 1960 in Winslow, Arizona) ist eine US-amerikanische Politikerin der Demokratischen Partei. Haaland amtiert seit dem 16. März 2021 als Innenministerin der Vereinigten Staaten im Kabinett von US-Präsident Joe Biden. Von Januar 2019 bis März 2021 war Haaland Abgeordnete für den 1. Kongresswahlbezirk des Bundesstaates New Mexico im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten. Haalands Mutter gehört zum Volk der Laguna, ihr Vater ist norwegischer Abstammung. Als Tochter eines Mitgliedes des United States Marine Corps wuchs Haaland an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten auf. Als Kind erlebte Haaland die Pueblo-Kultur während der sommerlichen Aufenthalte bei ihren Großeltern mütterlicherseits in Mesita, New Mexico, einem Dorf auf dem Territorium der Laguna-Pueblo im Norden des Bundesstaat.

Sharice Lynnette Davids (* 22. Mai 1980 in Frankfurt am Main) ist eine US-amerikanische Rechtsanwältin und Politikerin der Demokratischen Partei., die dem indianischen Volk der Winnebago angehörtSeit dem 3. Januar 2019 ist sie Mitglied des US-Repräsentantenhauses für den 3. Kongresswahlbezirk des US-Bundesstaates Kansas. Davids, die sich zur LGBTQ-Gemeinschaft bekennt, wurde am 3. November 2020 wiedergewählt.
Ganz ans Ende unserer Betrachtungen wollen wir ein Zitat Albert Schweitzers stellen, das, obwohl in einem anderen Zusammenhang, nämlich in Bezug auf die Kolonialpolitik der europäischen Länder im ausgehenden 19. Jahrhundert geäußert, nach wie vor, und dies auch im Zusammenhang mit den indigenen Völkern Amerikas, bis heute nichts von seiner Richtigkeit und Berechtigung verloren hat:
„Was haben die Weißen aller Nationen, seitdem die fernen Länder entdeckt sind, mit den Farbigen getan? Was bedeutet es allein, dass so und so viele Völker da, wo die sich mit dem Namen Jesu zierende europäische Menschheit hinkam, schon ausgestorben sind und andere im Aussterben begriffen sind oder stetig zurückgehen? Wer beschreibt die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die die Farbigen im Laufe der Jahrhunderte von den Völkern Europas erduldet haben? Wer wagt zu ermessen, was der Schnaps und die hässlichen Krankheiten, die wir ihnen brachten, unter ihnen an Elend geschaffen haben! Würde die Geschichte alles dessen, was zwischen den Weißen und den farbigen Völkern vorging, in einem Buch aufgezeichnet werden, es wären aus älterer wie aus neuerer Zeit massenhaft Seiten darin, die man, weil zu grausigen Inhaltes, ungelesen umwenden müsste. Eine große Schuld lastet auf uns und unserer Kultur“.Albert Schweitzer: Zwischen Wasser und Urwald 1
- Albert Schweitzer: Selbstzeugnisse, München 1959, S. 205f ↩︎
UE, NZ – 21.09.2026