Belletristik

Liselotte Welskopf-Henrich hat neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit und den unter Indianisches aufgeführten Romanreihen weitere belletristische Werke geschaffen. Diese gesellschaftskritischen Bücher ihrer Zeit beinhalten teils autobiografische Ereignisse wie Jan und Jutta. Elisabeth Charlotte Henrich rettete den Häftling Rudolf Welskopf in den Wirren des Bombenhagels in Berlin. Ihn heiratet sie später. (Biografisches)

Eines Tages beobachtet Jutta Hartung, wie in einem benachbarten Haus KZ Häftlinge unter SS-Bewachung arbeiten. Auch der Kommunist Jan Möller ist unter den Häftlingen. Jan lässt der unbekannten Frau einen Brief zukommen. Dies ist der Auftakt zu einer Entwicklung, die das Leben von Jan und Jutta für immer verändern wird. Dieser Roman schildert wahrheitsgetreu die abenteuerlichen Erlebnisse der Autorin (als Jutta) sowie die ihres späteren Mannes Rudolf (als Jan) während der Zeit der Nazidiktatur.

Palisander Verlag (für die eBook – Ausgabe)


Der zweibändige Roman Zwei Freunde handelt in der Zeit der Weimarer Republik und im Dritten Reich der Nationalsozialisten.

Ein junger Mann, Oskar Wichmann, kommt in die große Stadt. Büro und Theater, möbliertes Zimmer, Weinstube und Ballsaal, Klub und Reitstall, das elegante Haus und das Haus der Verarmten werden Schauplatz seines Erlebens. Er wird eingefangen von dem Reiz einer Frau, angezogen von dem kulturellen Leben der Stadt. Welskopf-Henrich schrieb diesen Roman über die Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches während der Zeit der Nazidiktatur. Bereits 1943 stellte sie im Manuskript Niederlage und Zusammenbruch des »Tausendjährigen Reiches« dar.

Palisander Verlag (für die eBook – Ausgabe)

In Bertolds neue Welt wollte sie ursprünglich die Geschichte von Jan und Jutta in einem DDR-Gesellschaftsroman fortsetzen, gab das Vorhaben aber wieder auf, da sie der politischen Entwicklung in der DDR und vor allem der Literaturkritik kritisch gegenüberstand.

Ein zwölfjähriger, in der Zeit des Krieges früh gereifter Junge, Berthold Wichmann, steht im Mittelpunkt der Handlung. – Seit wenigen Tagen schweigen die Geschütze in Berlin. Die Stadt ist eine einzige Trümmerwüste. Berthold erkennt, dass bereits ein neuer Krieg im Gange ist, ein Krieg der Interessen. Die verschiedensten Kräfte sind in der zerbombten Stadt am Wirken: Die Besatzungsmacht, Schieber, alte Nazis, Kommunisten, Bürokraten, Denunzianten.

Bertholds Cousin, ein fanatischer Werwolf, versucht, ihn für den Kampf gegen die Besatzer zu gewinnen. Sein Freund Erwin will ihn vom Kommunismus überzeugen. Das geheimnisvolle Mädchen Marie bringt seine Gefühlswelt in Aufruhr.

Er lernt aufrechte Menschen wie den Kommunisten und ehemaligen KZ-Häftling Jan Möller und »das Fräulein Doktor« kennen (in dieser literarischen Gestalt stellt sich die Autorin selbst dar bzw. die Romanfigur Jutta aus »Jan und Jutta«), die aufgrund ihrer mutigen Menschlichkeit zu seinen neuen Helden werden.

Berthold begreift, dass eine neue Welt im Entstehen ist, und dass er und seine Mitstreiter die Kraft und die Möglichkeit haben, sie aktiv mitzugestalten.

Die große Erzählung »Bertholds neue Welt« aus dem Nachlass Liselotte Welskopf-Henrichs ist die Fortführung ihrer Romane »Jan und Jutta« und »Zwei Freunde« in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Palisander Verlag

160 Seiten / Paperback / ISBN: 978-3-938305-93-5 / Erstausgabe 2015 / Palisander Verlag


Ihre Novelle Der Bergführer ist ein Beispiel dafür. Der ursprüngliche Text wurde lektorisch und verlegerisch verändert und aus der Vorkriegs- in die Nachkriegszeit verlegt, was der Geschichte vermutlich den Erfolg verwehrte. Hier verrbeitete sie auch eigene frührere Urlaubserlebnisse, die Geschichte spielt in Südtirol in der Gegend des Massivs von König Laurins Rosengarten und den Vajolet Türmen.

Südtirol 1939. Karl Unteregger, ein junger angesehener Bergführer in den Dolomiten, hat den Auftrag angenommen, einen Touristen aus Berlin in die Berge zu führen. Der Berliner heißt Fritz Ordemann, er ist Oberpostinspektor und Nazifunktionär. Begleitet wird er von Lotte, seiner Verlobten, einem Berliner Arbeitermädchen, dreißig Jahre jünger als er.

Auf der Klettertour offenbart sich rasch der egozentrische Charakter dieses Mannes, der keinerlei Widerspruch gewohnt ist. Lotte, von der Mutter in Erwartung einer guten Partie in das Verhältnis mit Ordemann gedrängt, bewunderte bislang sein so selbstsicheres Auftreten. Hier in der Welt der Berge aber spürt sie zum ersten Mal die moralische Armseligkeit Ordemanns angesichts des aufrechten Wesens des selbstbewussten Bergführers.

Ein Wetterumschwung bringt mitten im Sommer Schneefall herbei. Trotzdem besteht Ordemann auf seinem vermeintlichen Recht, auf einen weiteren Gipfel geführt zu werden. Die Gefahren der Witterung interessieren ihn nicht; die Bedrohungen der Bergwelt begreift er nur als Nervenkitzel und Abenteuer, mit denen er später am Stammtisch prahlen kann.

Unteregger weiß, dass diese neue Tour mit Lebensgefahr verbunden ist. Aber er ist auf die Einkünfte angewiesen, wenn er für seine Familie das Häuschen in der Nähe seines Heimatdorfes anzahlen will, das der Besitzer nur zu einem Wucherpreis verkauft.

Liselotte Welskopf-Henrich vereint in dieser Erzählung, die hier erstmals in ihrer Originalfassung veröffentlicht wird, ihre Liebe zu den Bergen und zur Bevölkerung von Südtirol mit ihrer unversöhnlichen Einstellung gegenüber jeder Art von »Herrenmenschen«, eindrucksvolle Landschaftsschilderungen mit prägnanten Charakterdarstellungen und spannender Handlung.

Palisander-Verlag

UR, 17.09.2020