Otto, Uli (6) – Abschließende Bewertung der Indianerliteratur von LWH

Mag die hohe Zeit der deutschen Indianerliteratur für junge Leute im Augenblick auch vorbei sein, so lässt sich abschließend insgesamt feststellen, dass Liselotte Welskopf-Henrichs Indianer-Epen1, gut und spannend geschrieben, hier eine Sonderstellung einnehmen, zumal sie gerade auch unter ethnologischen, anthropologischen und historischen Gesichtspunkten auch heute noch durchaus lesenswert sind. Die Bücher weisen eine hohe „historische Authentizität“ auf und vermögen Teilaspekte der Geschichte und Kulturhistorie der nordamerikanischen Sioux in den Jahren zwischen 1860 und 1880 sowie ihren tragischen Untergang zutreffend und packend zu schildern und zu illustrieren. Dabei finden immer wieder aber auch andere indianische Nationen bzw, deren Angehörige Erwähnung, die dieses Schicksal teilten: Pawnee/Pani, Blackfoot/Blackfeet, Absaroka/Crow, Cheyenne, Delaware/Lenni-Lenape. Welskopf-Henrichs Native Americans sind dabei aber keine „blutrünstigen Ungeheuer“, als die sie ansonsten in der Vergangenheit nur zu oft dargestellt wurden, aber eben auch nicht die idealisierten „edlen Wilden“, denen Karl May in Person seines Winnetou ein Denkmal zu setzen versucht hat. 

Nach Gerlinde Rabenstein Urteil, dass wir durchaus uneingeschränkt teilen, stellt Welskopf-Henrich Menschen vor, die „unter schwersten Bedingungen, die ihnen der geschichtliche Rahmen setzt (…) das Ziel verfolgen, humane Existenz zu verwirklichen“, wobei „am Ende ihrer Bücher (…) immer die Hoffnung auf einen Neuanfang, auf Durchsetzung humaner Ziele“ steht.2 Liselotte Welskopf-Henrich, die den historischen Hintergrund der Auseinandersetzungen zwischen der US-Armee und den Lakota während der 1860er Jahre akribisch ermittelt hat und darstellt, bezieht in ihren Büchern eindeutig Stellung zugunsten der betrogenen und unterdrückten nordamerikanischen Prärieindianer, die einer räuberischen Landnahme zu weichen hatten und gewaltsam in die ihnen zugewiesenen Reservationen zurückgedrängt wurden, wo sie de facto zu rechtlosen Kostgängern der US-Regierung gemacht wurden, dies ein Zustand, der sich weitgehend bis in unsere Gegenwart erhalten hat. Dabei schildert sie aber auch – etwa in der Darstellung des Raureiters Adam Adamson, der Cowboys Thomas und Theodor, aber auch des indianischen Scouts Tobias und anderer Protagonisten – dass aus Menschen, die zunächst ebenfalls tatsächlich Opfer waren, zeitweise unversehens Mittäter und Mitschuldige werden konnten, wobei sie sich aber auch hier davor hütete, bloße Schwarzweiß-Malerei zu betreiben.3 

  1. Hier Die Söhne der großen Bärin ↩︎
  2. (Gerlinde Rabenstein: Welskopf-Henrich, Liselotte.- In: Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur, Bd. 3, Weinheim 1984, S. 787). ↩︎
  3. Dieser Teil wurde redaktionell von Uwe Rennicke als Teil 6 an das Ende der ausführungen von Dr. Uli Otto gestellt ↩︎

UR – 11.08.26 (2021)

Otto, Uli (3) – Die Endkämpfe gegen die Teton-Oglala-Sioux…

… Nez Percé und Chiricahua-Apachen.

Hatte sich die Freiwilligenarmee des US-Bürgerkriegs von 1861-1865 noch zumeist aus Siedlern zusammengesetzt, rekrutierte sich das Heer der Nachkriegszeit, der gegen die aufständischen Indianer eingesetzte „Grenzarmee“, vor allem aus Angehörigen des städtischen Proletariats und hier nicht zuletzt aus Einwanderern. Hatte schon vor dem Bürgerkrieg fast die Hälfte der regulären Armee aus Iren und Deutschen bestanden, blieb es auch nach dem Krieg bei diesem hohen Prozentsatz. Besonders hoch war dabei der Anteil irischer und deutscher Soldaten im Unteroffizierskorps, da viele von ihnen schon in ihrer altem Heimat Militärdienst geleistet hatten und deswegen – wenn auch vielleicht nicht gerade für die Kämpfe gegen die Indianer – gut ausgebildet und gerüstet zu sein schienen. 

Die Schlacht am Little Bighorn 

Berühmt-berüchtigt ist vor allem der auch in Liselotte Welskopf-Henrichs „Die Söhne der Großen Bärin“ erwähnte George Armstrong Custer (* 5. Dezember 1839 in New Rumley, Ohio; † 25. Juni 1876 am Little Bighorn, Montana), der schon zu Lebzeiten eine äußerst umstrittene und dubiose Gestalt war. Zunächst Oberstleutnant des US-Heeres und Generalmajor des Unionsheeres im Sezessionskrieg diente er nach dem Bürgerkrieg in den Indianerkriegen gegen die Sioux und wurde vor allem durch seine Niederlage und seinen Tod in der Schlacht am Little Bighorn bekannt. 

Custers Familie lebte bereits in der dritten Generation in den USA. George Armstrong Custers Vorfahren väterlicherseits waren der hessische Offizier Paulus Küster und seine Frau Gertrude, die um das Jahr 1693 vom Niederrhein im Gefolge der ersten dreizehn Einwandererfamilien aus Krefeld und Umgebung (1683, Gründung von Germantown, Pennsylvania) in die späteren USA auswanderten. 

1867 wurde George Armstrong Custer, dieser ein gewissen- und skrupelloser Ehrgeizling, wegen fortgesetzter Disziplinlosigkeit unter Arrest gestellt. Nach dem Abschluss der Ermittlungen wurde ein Militärgerichtsverfahren gegen ihn eröffnet und er wurde ohne Sold für zwölf Monate suspendiert. 1868 „rehabilitierte“ sich Custer in den Augen der Öffentlichkeit, als er während des Winterfeldzuges an den Ufern des Washita ein Dorf der Südlichen Cheyenne unter Black Kettle im Morgengrauen angriff und zerstörte, wobei bei dem Angriff eine große Zahl von indianischen Nichtkombattanten getötet wurden. Es gibt Darstellungen der Schlacht, welche zu belegen scheinen, dass die US-Kavallerie von den Cheyenne freundlich begrüßt wurde, die Soldaten jedoch plötzlich und völlig unerwartet das Feuer eröffnete. Den meisten Indianern gelang zwar die Flucht in die Wälder. Jedoch mussten sie alles Hab und Gut und hier insbesondere ihre Pferde zurücklassen, die auf Custers Befehl hin eingefangen und von denen über 1000 erschossen wurden. Dies machte den Indianern die Büffeljagd unmöglich und der Verlust ihrer Habe und ihrer Vorräte für den Winter erschwerte ein Überleben im Winter deutlich. Die meisten Opfer gab es somit erst nach der Schlacht. Dieser „Sieg“ sollte im Übrigen der einzige Erfolg Custers im Kampf gegen die Indianer bleiben. 

1873 wurde Custer in die nördlichen Plains abkommandiert, wo er einige Scharmützel gegen Sioux im Gebiet des Yellowstone führte. 1874 führte er eine 1200 Mann starke Expedition in die Black Hills. Noch bevor die Weißen kamen, hatten die Sioux die Black Hills als Heiligtum, verehrt, sahen sie hier doch den Ursprung ihres Volkes. Noch im Jahr 1867 war ihnen außerdem unter Häuptling Red Cloud von der Regierung der Vereinigten Staaten der Besitz der Berge auch offiziell garantiert worden. Als 1874 im Tal des French Creek nahe der heutigen Stadt Custer einer der Erkundungstrupps Goldentdeckte, ließ Custer unverzüglich dementsprechende Erfolgsmeldungen in Zeitungsberichten verbreiten und lösten damit ganz bewusst den Goldrausch in den Black Hills aus. Mit diesen Berichten sollten die Goldsucher in das den Sioux zugesprochene Gebiet gelockt werden, um Angriffe der Indianer wegen deren unrechtmäßigen Eindringens in ein ihnen heiliges Territorium zu provozieren, was das Eingreifen der Armee gegen sie rechtfertigen würde. Letzterer Plan aber schlug fehl, weil die Sioux sich nicht zu Gewalttaten hinreißen ließen. 

Als die Sioux wenig später aber in den ihnen zugewiesenen Reservationsgebiete interniert werden sollten und sich diesen Plan widersetzten, griff Custer am 25. Juni 1876 mit dem von ihm befehligten aus vielen Deutschen bestehenden 6. Kavallerieregiment in der Schlacht am Little Bighorn das Lager der verbündeten Sioux und Cheyenne, die von den Häuptlingen Sitting Bull, Gall, Two Moons, Crazy Horse und Spotted Elk alias Big Foot angeführt wurden, am Ufer des Little Bighorn an. Dort hatten sich ungefähr 2.000 Krieger versammelt, sodass die US-Soldaten zahlenmäßig und erstmals in der Geschichte auch waffentechnisch stark unterlegen waren. Custer hatte sein Regiment zudem in drei Teile aufgeteilt, um das Lager von mehreren Seiten aus anzugreifen. Die überlegene Streitmacht der Indianer trieb Custers Truppenteil schnell zurück und konnte ihn bei seinem Rückzug auf einem Hügel stellen, auf dem Custer und seine Männer ausnahmslos getötet wurden. Zu den Gefallenen gehörten auch Custers Brüder Thomas Custer (* 1845) und Boston Custer (* 1848) sowie zahlreiche weitere deutschstämmige Kavalleristen. Dennoch konnte dieser Sieg nichts am Schicksal der Sioux und Cheyenne ändern, was auch im letzten Band „Über den Missouri“ von Welskopf-Henrichs „Die Söhne der Großen Bärin“ thematisiert ist. 

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Otto, Uli (2): Kulturhistorische Einordnung – Deutsche und Native Americans

Wie bereits erwähnt wurde dem Verfasser, als er die „Söhne der Großen Bärin“ als Erwachsener erneut rezipierte, bewusst, dass zu den für einen de facto-Genozid an der nordamerikanischen Naive Americans verantwortlichen Mittätern immer wieder auch deutsche Einwanderer zählten, deren Geschichte und Biographie auf das Engste mit derjenigen der nordamerikanischen Ureinwohner verknüpft ist, wodurch die Beschäftigung mit der Historie der Letzteren notwendigerweise zum Teil auch zu eine Beschäftigung gerade auch mit bis heute zumeist völlig vernachlässigten und verdrängten Teilaspekten der deutschen Geschichte werden muss. Schon von Anfang der Inbesitznahme des amerikanischen Kontinents an haben nämlich gerade auch die deutschen Länder immer wieder zahllose Auswanderer in die neue Welt exportiert, die dabei zumeist wohl keinerlei Gedanken an das Schicksal der dortigen Urbevölkerung verschwendeten. Bereits seit Anfang des 18. Jahrhundert begann eine breitere Auswanderung, die in wechselnder Stärke im Lauf von rund zwei Jahrhunderten so viele Deutsche nach Nordamerika brachte, dass ein nicht geringer Teil der heute dort lebenden Bevölkerung deutscher Abstammung ist. So wanderten allein um die Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der Niederschlagung der Volksaufstände im deutschen Südwesten, aus dem Großherzogtum Baden mindestens 80.000 Menschen nach den Vereinigten Staaten von Amerika, dem „Hort der ersehnten Freiheit“ aus. Und die Auswandererzahlen blieben auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unverändert hoch. 

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Otto, Uli (1): Liselotte Welskopf-Henrich, Die Indianer & Dr. Uli Otto

Teil 1 eines Manuskripte aus dem Jahre 2021. Dr. Uli Otto ist ein Kulturwissenschaftler aus Regensburg und freiberuflicher Dozent im Bereich Volkskunde und Kulturwissenschaften. Einer seiner Schwerpunkte ist Liedforschung, dies umfasst Volkslieder, historisch-politisches Lied, sowie irische und deutsche Folklore. Außerdem widmete er sich der Erzählforschung, Geschichte der Massenlesestoffe, wozu die „Bärensöhne“ natürlich gehören. Otto begab sich auch „auf die Spuren“ von Herbert Kranz, einem Jugendbuch-Autoren und dessen Reihe Ubique Terrarum, sowie Auf die Spuren des fliegenden Klassenzimmers von Erich Kästner. Im Teil 2 dieses Beitrages beschäftigt er sich mit der (Kultur)historischen Einordnung von Deutschen und Native Americans, Eckpunkten der (indianisch-nordamerikanischen) Geschichte, die Liselotte Welskopf-Henrich die Grundlage für bestimmte Darstellungen in ihrer Pentalogie sind. Im dritten Teil wird es seine Einschätzung der Romane von Liselotte Welskopf-Henrich gehen, um Politik gegenüber der indigenen Völker in der heutigen Zeit.


Sehr gerne habe ich einer Bitte von Uwe Rennicke entsprochen, meinen persönlichen Beitrag zum Relaunch der Webseite von Liselotte Welskopf-Henrich zu liefern. Diese freundliche Einladung Rennickes fiel dabei mit aktuellen eigenen Bestrebungen zusammen, dem in diesem Jahr anfallenden 120. Geburtstag von Liselotte Welskopf-Henrich (*15.09.1901 München – + 16.06.1979 Garmisch-Partenkirchen) auf irgendeine Weise zu gedenken und dabei auch an die Ersterscheinung von „Die Söhne der Großen Bärin“ zu erinnern, die sich ebenso, aber zum 70 Mal jährt. Dabei kam diesem Projekt des Verfassers auch die zeitweise durch die gegenwärtige Corona-Pandemie erzwungene Isolation entgegen. 

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Red Power from East (and West) Germany

Red Power from East (and West) Germany

Eine Historikerin wie Elisabeth Charlotte Welskopf hat, das zeigen ihre wissenschaftlichen Publikationen, Kontakte in viele Länder der Welt aufgebaut, nicht nur in der, welche eine marxistischen Geschichtsforschung pflegte.

Ihre belletristischen Romanreihen → Die Söhne der großen Bärin und → Das Blut des Adlers sind selten Gegenstand wissenschaftlicher Abhandlungen geworden. Eine eher populärwissenschaftliche Betrachtung legten 2001 Dr. Uli Otto und sein Sohn Till Otto vor. Sie „untersuchten den historischen und kulturhistorischen Hintergrund“ der Bärensöhne. Der Regensburger Kulturwissenschaftler las die „Westausgaben“ der Hexalogie, war begeistert, dass er, Jahre später, sich noch einmal näher mit dem Stoff beschäftigte. Sie hätten ihn „weitgehend gegen andere Indianerbücher a lá Karl May immunisiert“.1

Dass Liselotte Welskopf-Henrich mit diesen „Indianerbüchern“ nicht nur in der DDR sondern auch der Bundesrepublik eine beachtenswerte Wirkung entfaltete, zeigen seine folgenden Zeilen:

Auf den Spuren…, Seite 32 f

Doch dies ist eine „deutsche“ Ansicht, so wie es auch → diese gibt und eine Reihe → weiterer, Ost wie West. Daher schauen wir in die Gegend, in der die Helden von Liselotte Welskopf-Henrich handelten.

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LWH, die Indianer und ich – Uwe Rennicke (2)

Indianer. Ende des Jahres, in dem der DEFA-Film → Die Söhne der großen Bärin in die Kinos kam, wurde ich drei Jahre alt. Zu jung für das Kino. Ich weiß also nicht so genau, wann ich wirklich in Berührung mit den Bärensöhnen kam. Die erste Klasse war kaum vorbei und aus mir wurde eine Leseratte. Sicher lief der Film auch im Fernsehen und den durfte der „Große“ dann auch mal sehen und ich nehme an, es war um mich geschehen. Eine Tante besaß eine dreibändige Ausgabe, viel zu dick, um während der Schulzeit gelesen zu werden, befand unsere Mutter. Daher werden es die Herbstferien gewesen sein, in denen „Harka“ in mein Leseleben trat.

Dünner war das Buch Blauvogel von Anna Jürgen, auch das stand bei meiner Tante im Regal: Indianerstoff zur Genüge. In den nächsten Winterferien lag ein dünner blonder Bengel im Doppelstockbett in Holzau im Erzgebirge. Familienurlaub. Der heulte bitterlich, denn er hatte gerade seinen ersten literarischen Mord gelesen. Es war wohl etwas anderes, zu lesen, wie Red Fox dem Mattotaupa das Messer in die Brust drückte. Den habe ich bestimmt gehasst. Da hatte ich (vermutlich) zwar die Szene schon im Film gesehen, aber das zu lesen, wo ich doch die Vorgeschichte kannte, das zeigte Wirkung für einen Achtjährigen.

Indianerfiguren Ost 1

Eine Reihe von Schulkumpels hatten ebenso wie ich „Plastikindianer“, ein Holz-Fort mit Palisaden und Blockhaus. Das BLOCKHAUS, das hatte schon eine Bedeutung. Selten fuhr unsere Oma mal an den Rhein, um ihre Schwester zu besuchen und sich ein paar DM bei der Weinlese zu verdienen. So kam ich dann zu „Westindianern“. Die konnte man auseinander nehmen, neu zusammenstecken, Waffen konnte man austauschen und die hatten sogar Revolver-Holster mit herausnehmbaren Revolvern. So spielten wie die Bärensöhne nach.

Fasching: Klar, keine Frage was für ein Kostüm. Mutter bemühte die Nähmaschine, bastelte eine Perücke mit schwarzen kratzigen Wollhaaren, das Gesicht bekam etwas braune Schminke und fertig war Harka. Dass der sich seine Federn erst noch hätte verdienen müssen, das war völlig egal. Aber die Adlerfederkrone, wir nannten das Ding „Federhaube“, war von feinsten. Nicht einfach ein farbiges Stirnband mit Hühner- oder Gänsefedern. An den Hemden und Hosen waren Fransen und bestickt waren die Sachen auch. Meine Schwester hatte einen Rock und eine Weste aus grünem Kunstleder, mit Kaninchenfell besetzt.

Karl May las ich erst als fast Erwachsener. Dafür gabs in der Bibliothek die Bücher von Rudolf Daumann. Im DDR-Fernsehen lief Daniel Boone mit Fess Parker. (Westfernsehen gabs in Dresden nicht) Die Karnevalskostüme änderten sich zu Kaninchenfellmütze und (Kunst)Lederanzug. Da Spielzeugwaffen bei den Eltern nicht gern gesehen waren, gab es eine Ausnahme. Eine doppelläufige Spielzeugbüchse in deren Kolben silberne Reißzwecken gedrückt wurden. Mit einem Musketier-Kostüm endete diese Zeit – verändertes Leseverhalten inbegriffen.

Irgendwann sah in der Bibliothek ein Buch mit dem Titel Stein mit Hörnern. Schade, kein Bezugspunkt auf Anhieb zu erkennen. So stellte ich es wieder ins Regal, nur, um ein paar Jahre später Das Blut des Adlers dann doch mit Begeisterung zu lesen.

Als ich, inzwischen fast 50 Jahre alt, ein Cover mit dem Titel Das Blut des Adlers sah, dachte ich, der Palisander-Verlag in Chemnitz hätte die fünf Bücher in einem Buch gedruckt für rund 80 Euro. So begann der Kontakt des neuen Buchbloggers mit Dr. Frank Elstner und dann Dr. Rudolf Welskopf. Ohne dise Bekanntschaft hätte ich mich nie mit Gojko Mitić unterhalten.

Vielleicht wundert sich jetzt diese oder jener, aber näher mit Liselotte Welskopf-Henrich beschäftigte ich mich eben erst als Erwachsener. Daraus ensteht die Webseite, wegen der ich zu meinem Leseverhältnis zu LWH wohl eher nichts extra schreiben muss…


Sie lesen, ihr lest richtig: Ständig kommt das Wort Indianer hier vor. Eine der Hauptseiten dieses Blogs heißt auch „Indianisches“. Der Rückblick und die erzählte Zeit „kannte“ keinen anderen Begriff. Ich lehne es aber gleichzeitig ab, ihn als unpassend oder gar rassistisch anzusehen, zumal der Begriff „Indian“ unter den American Natives ebenfalls genutzt wird. In Bezug auf die Belletristik und vor allem der von Liselotte Welskopf-Henrich behalte ich ihn weitestgehend bei, bei Sachliteratur benutze ich ihn in der Regel nicht. Der vor kurzem hier eingestellte Post → Red Power zeigt, dass die Frage auch nicht entscheidend ist.

  1. DDR-Museum:https://www.ddr-museum.de/de/objects/1020377 ↩︎

UR, NZ – 04.08.2026

Heimkehr zu den Dakota (Bärensöhne 4)

Zeltdorf der Bärenbande am Pferdebach1
  • Band 4 – Die Söhne der Großen Bärin
  • 438 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
  • überarbeitete und ergänzte Neuauflage
  • Palisander Verlag
  • ISBN: 978-3-957840-25-7

Harka und sein Vater Mattotaupa arbeiten beim Bau der Union-Pacific-Bahn als Scouts. Sie müssen die Erbauer der Bahn schützen und gegen ihren eigenen Stamm kämpfen. Misstrauen entsteht – zuletzt auch zwischen Harka und seinem Vater. Mattotaupa wird ermordet. Für Harka gibt es nur noch eines: Zurück zu den Dakota. Doch der Stammeszauberer Hawandschita will den Tod des Ausgestoßenen.
(Palisander Verlag)

Die Handlung

Das Abschiedsfest / Union Pacific – Band 4 beginnt mit einem Abschiedsfest beim Eisenbahnbau. Endlich sind die Union Pacific Railroad und die Central Pacific Railroad miteinander verbunden2. Für den Ingenieur Joe Brown ist die Arbeit an diesem Ort damit beendet.

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Jahrestage 2026

Fünfundzwanzig Jahre bevor Elisabeth Charlotte Henrich geboren wurde, fand im fernen Nordamerika an einem schmalen Fluss namens Little Bighorn, benannt nach den im Yellowstonegebiet lebenden Dickhornschafen, ein Ereignis statt, für welches wir nun den 150. Jahrestag schreiben: Die Schlacht am Little Bighorn. 

Ein Zusammenhang besteht da im ersten Moment nicht, denn Liselotte Welskopf-Henrich ließ ihren Helden Tokei-ihto 1 nicht mitkämpfen in der letzten siegreichen Schlacht der Lakota und Cheyenne gegen die 7. Kavallerie des George Armstrong Custer. Tokei-ihto wurde in Gefangenschaft gehalten, seit er die vorgelegten Verträge anderer Häuptlinge bei einer Besprechung mit Offizieren der US-Armee im Fort Niobrara zerriss.2 Die Gefährten des Kriegshäuptlings der Bärenbande wollten ihn nicht nur wegen des bevorstehenden Kampfes aus dem Keller des alten Blockhauses im Fort befreien, es gelang ihnen aber nicht. Als der Häuptling endlich freikam3, war die Schlacht beendet, Tatanka-Yotanka4 auf dem Weg nach Kanada und seine eigene Gruppe in der Reservation.

Tokei-ihto führt die Gruppe aus der Reservation in den Badlands über den Missouri in die Woodmountains in Kanada, von dort wird er viele Jahrzehnte später in die Badlands und die schwarzen Berge zurückkehren. Sein Name ist dann wieder Stein mit Hörnern oder Inya-he-yukan, auf Englisch nennt er sich Harry Okute.5

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Über Rudolf Welskopf (1902 – 1979)

Rudolf Welskopf 1970

Rudolf August Welskopf, wurde am 26. August 1902 in Borstel, Kreis Stade, geboren. Er hatte sechs Geschwister. Seine Eltern Rudolf und Emilie stammten aus Ostpreußen und waren ins „Alte Land“ gezogen, um dort als Kleinpächter ihr Leben zu fristen. Später betrieben sie in Buxtehude einen Gemüsehandel. 

Nach dem Abschluss der Volksschule arbeitete Rudolf als Knecht bei einem Bauern auf der Geest. Ab 1917 erlernte er den Beruf des Zimmermanns beim Meister Augustin Elstorf.  Nach der Gesellenprüfung ging er von 1921 bis 1924 als Zimmerer auf Wanderschaft. Von 1924 bis 1928 arbeitete er als Geselle bei der Firma Prien & Hegemann und wurde 1929 arbeitslos. 

Zimmermann Rudolf Welskopf

Am 29.08.1925 schloss er in Buxtehude seine erste Ehe mit Frl. Alma Olga Bestehorn,  geb. am 20.12.1902 in Löderborg, Kreis Calbe a. d. Saale. Mit ihr ließ er sich in Buxtehude nieder. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor: Anni, geb. 5.12.1925, wohnhaft in Hamburg, und Rudolf, geb. 30.01.1928; gest. 7.04.1995 in Hamburg. Beide haben Nachkommen, die in Hamburg oder in der Nähe Hamburgs leben.

1925 trat er in die SPD ein, verließ diese aber 1930 wieder, um der KPD beizutreten.

1932 und 1933 wurde er mehrmals in „Schutzhaft“ genommen wegen Aktionen gegen SA und NSDAP. Eine von Welskopf geleitete Widerstandsgruppe der KPD in Buxtehude wurde zerschlagen, nachdem es der Gestapo gelungen war, einen Kurier abzufangen. Am 20.8.1934 erneute Verhaftung und 1935 Verurteilung durch das Berliner Kammergericht im „Buxtehuder Hochverratsprozeß“ zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Polizeiaufsicht.
1935 – 1939 Zuchthaus in Celle, 1939-1940 Gefängnis in Hannover. 1936 Fluchtversuch aus einem Arbeitskommando im Moor bei Zeven, Zusatzstrafe wegen „Meuterei“ bis 1940.

Porträt April 1945

Nach Ablauf dieser Strafe 1940 wurde er als „unverbesserlich“  in das KZ Sachsenhausen eingeliefert. In der Folgezeit arbeitete er im Außenlager Lichterfelde  (Berlin). Er hatte dort in seiner Werkstatt ein Radio versteckt und verbreitete die Nachrichten unter den Häftlingen. 
Am 27.7.1944 gelang ihm die Flucht aus Lichterfelde. Fräulein Dr. Elisabeth Charlotte Henrich  aus Berlin verhalf ihm zur Flucht und versteckt ihn 1944-1945 in ihrer Wohnung in Berlin mit Hilfe u.a. von Pfarrer Harald Poelchau.

Ab 5. Mai 1945 Tätigkeit beim Bezirksamt Charlottenburg als Polizei-Reviervorsteher und Amtsbezirksleiter Charlottenburg-Mitte.

Am 25.01.1946 wurde die Ehe mit Alma vom Landgericht Hamburg  geschieden. Das Sorgerecht für die Kinder erhielt  die Mutter. 

Am 11.05.1946 ehelichte er in Berlin Frl. Dr. Elisabeth Charlotte Henrich, geb. 15.09.1901 in München. In dieser Ehe wurde am 24.04.1948 in Berlin ein Sohn geboren und auf den Namen Rudolf getauft.

In den Jahren 1946-1950 im Baustoffhandel tätig; u.a. Geschäftsführer bzw. Prokurist der Baustoff-Ost- GmbH. 1950-1951 beschäftigt  im Ministerium für Schwerindustrie der DDR mit dem Aufbau eines Bergungsbetriebes für Schrott u.a. Wertstoffe.

Von 1951-1962 Tätigkeit bei der Reichsbahn-Bau-Union (Leiter der Allgemeinen Verwaltung).
Ruhestand ab 1962.

August Rudolf Welskopf starb am 17.01.1979 in Berlin.

Grabstein von R. Welskopf und L. Welskopf-Henrich
Friedhof Berlin Adlershorst

Seine Frau Liselotte Welskopf-Henrich hat in ihrem Roman „Jan und Jutta“ seine Lebensgeschichte bis 1945 dramatisch geschildert. 

Gedenktafel in Buxtehude

In seiner Heimatstadt Buxtehude wurde seit seinem 100. Geburtstag im Jahre 2002 darüber diskutiert, ob bzw. in welcher Form sein Andenken als Widerstandskämpfer geehrt werden sollte. Letztlich wurde im Jahre 2005 die abgebildetete Gedenktafel angebracht, und im Jahre 2022 wurde sogar eine Straße nach ihm benannt. Die Inschrift auf der Tafel lautet: „Im Haus Stavenort 5 wohnte 1934 Rudolf Welskopf (1902–1979), der mit seiner Gruppe 1933–1934 gegen das nationalsozialistische Regime Widerstand leistete und dafür 5 Jahre Zuchthaus und 4 Jahre Konzentrationslager ertragen musste.“

Eine Chronik dieser Auseinandersetzung findet sich auf der Website des Netzwerkes der VVN-BdA Kreisvereinigung Stade unter  http://www.stade.vvn-bda.de/welskopf.htm : „Kein Gedenken an Rudolf Welskopf? – Der Streit in Buxtehude im Spiegel der Presse“.

In einer Ausstellung des Berliner Steglitz-Museums „Steglitz vor sechs Jahrzehnten – ein Bezirk erinnert sich“ waren u.a. Bilder, Fundstücke und Dokumente über das KZ-Außenlager Lichterfelde zu besichtigen (vom 23.05. bis 23.06.2005). Erinnert wurde auch an Rudolf Welskopf, dem 1944 von dort die Flucht gelang.

Jährlich am 26. August organisiert der Rosa Luxemburg Club Niederelbe ein Gedenken an Rudolf Welskopf. Es werden Blumen an der Gedenktafel (Stadtarchiv Stavenort, Buxtehude) für den Widerstandskämpfer und seine Gruppe niedergelegt. Mehrmals war dabei auch der Sohn Dr. Rudolf Welskopf in Buxtehude anwesend und berichtete auf Gesprächsabenden über den Roman „Jan und Jutta“ und das Leben seiner Eltern.

Dr. Rudolf Welskopf (April 2023)

UR – NZ / 15.04.2023