Wie bereits erwähnt wurde dem Verfasser, als er die „Söhne der Großen Bärin“ als Erwachsener erneut rezipierte, bewusst, dass zu den für einen de facto-Genozid an der nordamerikanischen Naive Americans verantwortlichen Mittätern immer wieder auch deutsche Einwanderer zählten, deren Geschichte und Biographie auf das Engste mit derjenigen der nordamerikanischen Ureinwohner verknüpft ist, wodurch die Beschäftigung mit der Historie der Letzteren notwendigerweise zum Teil auch zu eine Beschäftigung gerade auch mit bis heute zumeist völlig vernachlässigten und verdrängten Teilaspekten der deutschen Geschichte werden muss. Schon von Anfang der Inbesitznahme des amerikanischen Kontinents an haben nämlich gerade auch die deutschen Länder immer wieder zahllose Auswanderer in die neue Welt exportiert, die dabei zumeist wohl keinerlei Gedanken an das Schicksal der dortigen Urbevölkerung verschwendeten. Bereits seit Anfang des 18. Jahrhundert begann eine breitere Auswanderung, die in wechselnder Stärke im Lauf von rund zwei Jahrhunderten so viele Deutsche nach Nordamerika brachte, dass ein nicht geringer Teil der heute dort lebenden Bevölkerung deutscher Abstammung ist. So wanderten allein um die Mitte des 19. Jahrhunderts, nach der Niederschlagung der Volksaufstände im deutschen Südwesten, aus dem Großherzogtum Baden mindestens 80.000 Menschen nach den Vereinigten Staaten von Amerika, dem „Hort der ersehnten Freiheit“ aus. Und die Auswandererzahlen blieben auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten unverändert hoch.
Mehr lesenIndianisches
Otto, Uli (1): Liselotte Welskopf-Henrich, Die Indianer & Dr. Uli Otto
Teil 1 eines Manuskripte aus dem Jahre 2021. Dr. Uli Otto ist ein Kulturwissenschaftler aus Regensburg und freiberuflicher Dozent im Bereich Volkskunde und Kulturwissenschaften. Einer seiner Schwerpunkte ist Liedforschung, dies umfasst Volkslieder, historisch-politisches Lied, sowie irische und deutsche Folklore. Außerdem widmete er sich der Erzählforschung, Geschichte der Massenlesestoffe, wozu die „Bärensöhne“ natürlich gehören. Otto begab sich auch „auf die Spuren“ von Herbert Kranz, einem Jugendbuch-Autoren und dessen Reihe Ubique Terrarum, sowie Auf die Spuren des fliegenden Klassenzimmers von Erich Kästner. Im Teil 2 dieses Beitrages beschäftigt er sich mit der (Kultur)historischen Einordnung von Deutschen und Native Americans, Eckpunkten der (indianisch-nordamerikanischen) Geschichte, die Liselotte Welskopf-Henrich die Grundlage für bestimmte Darstellungen in ihrer Pentalogie sind. Im dritten Teil wird es seine Einschätzung der Romane von Liselotte Welskopf-Henrich gehen, um Politik gegenüber der indigenen Völker in der heutigen Zeit.
Sehr gerne habe ich einer Bitte von Uwe Rennicke entsprochen, meinen persönlichen Beitrag zum Relaunch der Webseite von Liselotte Welskopf-Henrich zu liefern. Diese freundliche Einladung Rennickes fiel dabei mit aktuellen eigenen Bestrebungen zusammen, dem in diesem Jahr anfallenden 120. Geburtstag von Liselotte Welskopf-Henrich (*15.09.1901 München – + 16.06.1979 Garmisch-Partenkirchen) auf irgendeine Weise zu gedenken und dabei auch an die Ersterscheinung von „Die Söhne der Großen Bärin“ zu erinnern, die sich ebenso, aber zum 70 Mal jährt. Dabei kam diesem Projekt des Verfassers auch die zeitweise durch die gegenwärtige Corona-Pandemie erzwungene Isolation entgegen.
Mehr lesenLWH, die Indianer und ich – Uwe Rennicke (2)

Indianer. Ende des Jahres, in dem der DEFA-Film → Die Söhne der großen Bärin in die Kinos kam, wurde ich drei Jahre alt. Zu jung für das Kino. Ich weiß also nicht so genau, wann ich wirklich in Berührung mit den Bärensöhnen kam. Die erste Klasse war kaum vorbei und aus mir wurde eine Leseratte. Sicher lief der Film auch im Fernsehen und den durfte der „Große“ dann auch mal sehen und ich nehme an, es war um mich geschehen. Eine Tante besaß eine dreibändige Ausgabe, viel zu dick, um während der Schulzeit gelesen zu werden, befand unsere Mutter. Daher werden es die Herbstferien gewesen sein, in denen „Harka“ in mein Leseleben trat.

Dünner war das Buch Blauvogel von Anna Jürgen, auch das stand bei meiner Tante im Regal: Indianerstoff zur Genüge. In den nächsten Winterferien lag ein dünner blonder Bengel im Doppelstockbett in Holzau im Erzgebirge. Familienurlaub. Der heulte bitterlich, denn er hatte gerade seinen ersten literarischen Mord gelesen. Es war wohl etwas anderes, zu lesen, wie Red Fox dem Mattotaupa das Messer in die Brust drückte. Den habe ich bestimmt gehasst. Da hatte ich (vermutlich) zwar die Szene schon im Film gesehen, aber das zu lesen, wo ich doch die Vorgeschichte kannte, das zeigte Wirkung für einen Achtjährigen.

Eine Reihe von Schulkumpels hatten ebenso wie ich „Plastikindianer“, ein Holz-Fort mit Palisaden und Blockhaus. Das BLOCKHAUS, das hatte schon eine Bedeutung. Selten fuhr unsere Oma mal an den Rhein, um ihre Schwester zu besuchen und sich ein paar DM bei der Weinlese zu verdienen. So kam ich dann zu „Westindianern“. Die konnte man auseinander nehmen, neu zusammenstecken, Waffen konnte man austauschen und die hatten sogar Revolver-Holster mit herausnehmbaren Revolvern. So spielten wie die Bärensöhne nach.

Fasching: Klar, keine Frage was für ein Kostüm. Mutter bemühte die Nähmaschine, bastelte eine Perücke mit schwarzen kratzigen Wollhaaren, das Gesicht bekam etwas braune Schminke und fertig war Harka. Dass der sich seine Federn erst noch hätte verdienen müssen, das war völlig egal. Aber die Adlerfederkrone, wir nannten das Ding „Federhaube“, war von feinsten. Nicht einfach ein farbiges Stirnband mit Hühner- oder Gänsefedern. An den Hemden und Hosen waren Fransen und bestickt waren die Sachen auch. Meine Schwester hatte einen Rock und eine Weste aus grünem Kunstleder, mit Kaninchenfell besetzt.
Karl May las ich erst als fast Erwachsener. Dafür gabs in der Bibliothek die Bücher von Rudolf Daumann. Im DDR-Fernsehen lief Daniel Boone mit Fess Parker. (Westfernsehen gabs in Dresden nicht) Die Karnevalskostüme änderten sich zu Kaninchenfellmütze und (Kunst)Lederanzug. Da Spielzeugwaffen bei den Eltern nicht gern gesehen waren, gab es eine Ausnahme. Eine doppelläufige Spielzeugbüchse in deren Kolben silberne Reißzwecken gedrückt wurden. Mit einem Musketier-Kostüm endete diese Zeit – verändertes Leseverhalten inbegriffen.

Irgendwann sah in der Bibliothek ein Buch mit dem Titel Stein mit Hörnern. Schade, kein Bezugspunkt auf Anhieb zu erkennen. So stellte ich es wieder ins Regal, nur, um ein paar Jahre später Das Blut des Adlers dann doch mit Begeisterung zu lesen.

Als ich, inzwischen fast 50 Jahre alt, ein Cover mit dem Titel Das Blut des Adlers sah, dachte ich, der Palisander-Verlag in Chemnitz hätte die fünf Bücher in einem Buch gedruckt für rund 80 Euro. So begann der Kontakt des neuen Buchbloggers mit Dr. Frank Elstner und dann Dr. Rudolf Welskopf. Ohne dise Bekanntschaft hätte ich mich nie mit Gojko Mitić unterhalten.
Vielleicht wundert sich jetzt diese oder jener, aber näher mit Liselotte Welskopf-Henrich beschäftigte ich mich eben erst als Erwachsener. Daraus ensteht die Webseite, wegen der ich zu meinem Leseverhältnis zu LWH wohl eher nichts extra schreiben muss…
Sie lesen, ihr lest richtig: Ständig kommt das Wort Indianer hier vor. Eine der Hauptseiten dieses Blogs heißt auch „Indianisches“. Der Rückblick und die erzählte Zeit „kannte“ keinen anderen Begriff. Ich lehne es aber gleichzeitig ab, ihn als unpassend oder gar rassistisch anzusehen, zumal der Begriff „Indian“ unter den American Natives ebenfalls genutzt wird. In Bezug auf die Belletristik und vor allem der von Liselotte Welskopf-Henrich behalte ich ihn weitestgehend bei, bei Sachliteratur benutze ich ihn in der Regel nicht. Der vor kurzem hier eingestellte Post → Red Power zeigt, dass die Frage auch nicht entscheidend ist.
- DDR-Museum:https://www.ddr-museum.de/de/objects/1020377 ↩︎
UR, NZ – 04.08.2026
Heimkehr zu den Dakota (Bärensöhne 4)

- Band 4 – Die Söhne der Großen Bärin
- 438 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
- überarbeitete und ergänzte Neuauflage
- Palisander Verlag
- ISBN: 978-3-957840-25-7
Harka und sein Vater Mattotaupa arbeiten beim Bau der Union-Pacific-Bahn als Scouts. Sie müssen die Erbauer der Bahn schützen und gegen ihren eigenen Stamm kämpfen. Misstrauen entsteht – zuletzt auch zwischen Harka und seinem Vater. Mattotaupa wird ermordet. Für Harka gibt es nur noch eines: Zurück zu den Dakota. Doch der Stammeszauberer Hawandschita will den Tod des Ausgestoßenen.
(Palisander Verlag)
Die Handlung
Das Abschiedsfest / Union Pacific – Band 4 beginnt mit einem Abschiedsfest beim Eisenbahnbau. Endlich sind die Union Pacific Railroad und die Central Pacific Railroad miteinander verbunden2. Für den Ingenieur Joe Brown ist die Arbeit an diesem Ort damit beendet.
Mehr lesenJahrestage 2026
Fünfundzwanzig Jahre bevor Elisabeth Charlotte Henrich geboren wurde, fand im fernen Nordamerika an einem schmalen Fluss namens Little Bighorn, benannt nach den im Yellowstonegebiet lebenden Dickhornschafen, ein Ereignis statt, für welches wir nun den 150. Jahrestag schreiben: Die Schlacht am Little Bighorn.
Ein Zusammenhang besteht da im ersten Moment nicht, denn Liselotte Welskopf-Henrich ließ ihren Helden Tokei-ihto 1 nicht mitkämpfen in der letzten siegreichen Schlacht der Lakota und Cheyenne gegen die 7. Kavallerie des George Armstrong Custer. Tokei-ihto wurde in Gefangenschaft gehalten, seit er die vorgelegten Verträge anderer Häuptlinge bei einer Besprechung mit Offizieren der US-Armee im Fort Niobrara zerriss.2 Die Gefährten des Kriegshäuptlings der Bärenbande wollten ihn nicht nur wegen des bevorstehenden Kampfes aus dem Keller des alten Blockhauses im Fort befreien, es gelang ihnen aber nicht. Als der Häuptling endlich freikam3, war die Schlacht beendet, Tatanka-Yotanka4 auf dem Weg nach Kanada und seine eigene Gruppe in der Reservation.

Tokei-ihto führt die Gruppe aus der Reservation in den Badlands über den Missouri in die Woodmountains in Kanada, von dort wird er viele Jahrzehnte später in die Badlands und die schwarzen Berge zurückkehren. Sein Name ist dann wieder Stein mit Hörnern oder Inya-he-yukan, auf Englisch nennt er sich Harry Okute.5
Mehr lesenNeu: LWH auf YouTube
Lit(t)eratur & Mehr stellt die Romanreihen DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und DAS BLUT DES ADLERS kurz auf YouTube vor:
veröffentlicht am 05.10.2025
UR-NZ / Oktober 2025
Top und Harry – Die Entstehung eines Buches

Die Geschichte der „Bärensöhne“ wurde, wie bereits beschrieben, ursprünglich in einem Band im Jahre 1951 im Altberliner Verlag Lucie Groszer herausgegeben. Elf Jahre später erschien im gleichen Verlag die Vorgeschichte mit dem Band Harka, der damit den Auftakt der damals dreibändigen Ausgabe bildete.
- Dreibändige Ausgabe
- Band 1: Harka – Der Sohn des Häuptlings
- Band 2: Top und Harry
- Die Höhle in den Schwarzen Bergen
- Heimkehr zu den Dakota
- Band 3: Die Söhne der Großen Bärin
- Der junge Häuptling
- Über den Missouri
Die Höhle in den Schwarzen Bergen (Bärensöhne 3)

- Band 3 – Die Söhne der Großen Bärin
- 376 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
- überarbeitete und ergänzte Neuauflage
- ISBN: 978-3-957840-24-0
(Palisander Verlag)Harka, der junge Dakota, wächst als Begleiter seines verbannten Vaters heran. Beide leben als Gäste bei den Schwarzfuß-Indianern. Dort erlebt Harka die Gefangennahme eines Häuptlings seines eigenen Stammes. Zum ersten Mal in seinem Leben fragt er sich, weshalb Indianer gegen Indianer kämpfen. Aus der Zuflucht bei den Schwarzfüßen werden Harka und Mattotaupa durch die Machenschaften des Abenteurers und Goldsuchers Red Fox gerissen. Sie gelangen wieder zu der sagenumwobenen Höhle in den Schwarzen Bergen, in der sich ein Goldschatz befinden soll und die zugleich als Heimstatt der Ahnherrin der Söhne der Großen Bärin gilt.
Die Handlung
Zuflucht der Verbannten. Mattotaupa und Harka Steinhart Nachtauge haben beschlossen, zu den Siksikau (Blackfeet) zu reiten. Diese sind den Dakota eher feindlich gesinnt. Auf dem Weg finden sie einen verwundeten Krieger und retten ihn vor lauernden Wölfen. In einem Zeltdorf angekommen, soll Harka die Krieger zu dem verwundeten Krieger führen. Das wird seine erste Bewährungsprobe: Ausdauer im Laufen ohne Schlaf.
Mattotaupa erhält ein Zelt von Häuptling Brennendes Wasser und ein Dakota-Mädchen zur Hilfe. Diese soll aus den Zelten von Tashunka-witko stammen.
Harka sondiert die Lage bei den Gleichaltrigen. Stark wie ein Hirsch heißt der Sohn des Häuptlings.
Tashunka-witko1 versucht, das geraubte Mädchen und auch Harka wieder zu entführen und greift an. Es gelingt ihm, Harka und das Mädchen mitzunehmen. Mattotaupa kämpft mit ihm, mit weiteren Kriegern kann er den Oberhäuptling gefangen nehmen. Die Siksikau stellen ihn an den Pfahl. Harka wird gezwungen, seine Büchse wieder herzugeben, mit dieser befreit sich der Dakota. Die Stammesgruppen schließen Waffenstillstand, von dem Mattotaupa, den das Geheimnispferd (Tashunka) als Verräter bezeichnet, ausgeschlossen sein soll. Harka bewundert den Mut des Dakota. Da Mattotaupa dafür kein Verständnis hat, legt sich ein erster Schatten über das Verhältnis von Vater und Sohn.
Luchse in der Nacht / Begegnung beim Biberbau. So hat es sich der Junge gewünscht: Ungetrübte Tage in einer Zeltgemeinschaft, Spiele mit den Knaben, jagen mit Stark wie ein Hirsch. Mattotaupa schießt mit einem besonderen Bogen „in die Sonne“ und trifft den Büffellederschild auf dreifache Pfeilschussweite in die Mitte. Das bringt ihm große Achtung. Die Jungen reiten in Richtung der Rocky Mountains und treffen Thomas & Theo, Zwillinge und Fallensteller. Harka freundet sich mit beiden an.
Mattotaupa Meisterstück / Sitopanaki. Um 1860 herum war es den Prärievölkern noch möglich, ihren Unterhalt durch das Büffeljagen zu ermöglichen. Mattotaupa kann noch einmal zeigen, was für ein großer Jäger er ist, als er eine Gruppe Assiniboine narrt und den Siksikau die Beute sichert. Selbst Harka, der das Alter für die Büffeljagd noch nicht erreicht hat, erlegt seinen ersten Bison.
Sitopanaki heißt die jüngere Schwester von Stark wie ein Hirsch. Sie erinnert Harka an seine Schwester Uinonah, die erstgeborene Tochter. Die Mädchen ähneln sich in ihrer Ruhe, ihrem Fleiß. Sitopanaki, das heißt Deren Füße singen, wenn sie geht, bewundert den ihm ebenbürtigen Freund des Bruders, der im Gegensatz zu den anderen Knaben ernster wirkt und erfahrener.
Der schwarze Bart. Vater und Sohn reiten mit Thomas & Theo sowie Kluge Schlange zu einer Handelsstation, die der alte Adam Adamson führt. Sie wollen Waffen kaufen, während T&T ihr unrentables Jägerleben aufgeben wollen. Sie reiten mit Adamson und wollen auf dessen Farm arbeiten, die unter dem Schutz Tashunka-witcos steht.
Dann trifft der Rote Jim (seiner roten Haare wegen) ein und lügt Mattotaupa an, dass er gesucht wird wegen des Mordes am Inspizienten des Zirkus. Er droht, das Harka in ein Erziehungsheim gesteckt werden soll. Mattotaupa sieht sich als Verlierer. Der Vater schickt den Jungen zurück und zieht mit dem Roten weiter, der denkt, er käme doch noch an das Gold des ehemaligen Häuptlings ran.
Der Morgen der toten Fische. Der Eisenbahnbau hat das Gebiet der Bärenbande erreicht. Vorerst geht es um die Vermessung. Da erfolgt ein lautloser Angriff der Indianer. Die vergiften den Brunnen des Lagers, so kommt es zum Morgen der toten Fische. Einer der Scouts, Tom, kommt ohne Hit und Schuhe zur Bärenbande und wird dort kurzzeitig aufgenommen. Als Mattotaupa und Red Fox zum Bautrupp stoßen erkennt der ehemalige Kriegshäuptling, dass es tatsächlich die Bärenbande war.
Die Mutter des Häuptlings. Mattotaupa will nun sein Vorhaben in die Tat umsetzen, seine Tochter zu sich zu holen. Er reitet zum Pferdebach, schleicht sich in Lager der Bärenbande und spricht mit seiner Mutter. Die sagt ihm, wenn er den Skalp des Red Fox bringt, könne er wieder kommen. Doch Mattotaupa lehnt ab. Es kommt zum Kampf mit Tashunka-witko, welchen Mattotaupa verliert. Uinonah befreit ihren Vater von seinen Fesseln. Wieder schließt sich Vier Bären dem roten Jim an. Der schickt den Scout Charlemagne mit einem fiesen Plan nach Norden zu den Siksikau.
Nicht mehr allein. Harka ist inzwischen wieder bei den Schwarzfüßen und reitet später mit Stark wie ein Hirsch und zwei anderen Kriegern zur Handelsstation von Old Abraham. Sie treffen dort auf Charlemagne, einen armen französischen Goldsucher, der ihnen die Mär von der Fahndung nach Mattotaupa erzählt. Nachdem Harka und der Häuptlingssohn der Siksikau Blutsbrüderschaft schlossen, reitet Harka allein weiter. Er will seinen Vater finden und diesen überzeugen, vom roten Jim zu lassen.
Drei in der Höhle. Auf dem Weg in die Che Sapa, die schwarzen Berge, überquert Harka Steinhart Nachtauge den Missouri und trifft auf der Farm des alten Adamson auf Thomas und Theo, mit denen er gegen ein Wolfsrudel erfolgreich kämpft.
Mit einem neuen Biberpelzrock erreicht Harka die Black Hills und dringt in die Höhle ein. Er trifft auf einen Weißen2 und kämpft also mit Red Fox, den er schwer verletzt. Selbst nimmt er eine Handvoll Goldnuggets und das indianische Feuerzeug mit. Erstmals begegnet er der Großen Bärin, als deren Sohn sich Harka weiterhin fühlt. Dann trifft er auf den Vater und Jim. Das Misstrauen wächst. Harka erkennt, dass er mit seiner Einschätzung des Weißen, der ihn hasst, richtig liegt.


Top und Harry.3 Top und Harry werden die beiden seit Zirkuszeiten von den Weißen benannt. Harry unterhält sich mit Jenny, der Tochter vom zahnlosen Ben. Von ihr erfährt er, dass der Krieg der Weißen im Süden beendet sei. Außerdem erzählt sie, dass vor zwei Jahren Jim und Ben auf Goldsuche in der Höhle in den Bergen gewesen sind.
In der Nähe hat sich Tschetan, der Jugendfreund, eine Schneehöhle gebaut. Dort trifft Harka auf ihn. Tschetan erklärt, wie schon Untschida, dass Mattotaupa und Harka wiederkommen könnten, wenn sie den Skalp des roten Jim mitbringen.
„Was tust du auf der Seite unserer Feinde? Der große Kampf beginnt, das wissen auch wir. Komm zu uns zurück.“
Die Höhle in den Schwarzen Bergen – Seite 283
Doch Harka will warten, bis der Vater den Roten selbst als Feind begreift.
Der Eisenbahnbau beginnt wieder unter Joe Brown. Mattotaupa verdingt sich als Scout und verlangt von Harka mitzukommen. Red Fox jedoch schlägt vor, dass der Junge zu den Siksikau zurückkehren soll, er will den Feind los werden. Mattotaupa aber sagt, dass sie zusammenbleiben, bis Harka ein Krieger ist. Bei einem großen Gelage ist der Vater mal wieder betrunken.
Die Strafexpedition. Eine Gruppe von Weißen, Farmer, Holzfäller, Händler, wollen als sogenannte „Miliz“ die Bärenbande für den Giftanschlag bestrafen. Mattotaupa und Harka treffen als Kundschafter auf sie. Außerdem werden sie von der Bärenbande beobachtet, Harka erkennt Schonka, den einstigen jugendlichen Widersacher.
Harka will Untschida und Uinonah warnen, der Vater folgt ihm aber und fragt: „Wer bist du?“ Harka soll gegen die Bärenbande kämpfen, sonst „werde ich dich in Weiberkleider stecken und töten.“
Joe will an der Strafexpedition teilnehmen. Harka und Mattotaupa kommen aber nicht mehr zum Kampf. Die Miliz haben vier tote Indianer verstümmelt und ein paar Zelte zerbrochen.
Dann steht plötzlich Harpstennah in Festkleidung vor Harka. Vom jüngeren Bruder erfährt er von Mattotaupa Niederlage im Zeltdorf und der Befreiung durch Uinonah.
Plötzlich greift Harpstennah Joe Brown an. Er will, Sohn eines Verräters, tapfer sterben. Unter dem Blick des gemeinsamen Vaters tötet Harka den Bruder.
„Harka nahm die Lederplane…, legte den Toten darauf, sah noch einmal die magere kindliche Gestalt in dem Festkleid, dass Uinonah bestickt hatte, auch das Gesicht, dass vom Mondlicht gestreift, abgehärmt wie das eines Alten wirkte und schlug die Lederdecke zu, so wie man sie einst auch über Harpstennah und Harkas toter Mutter zusammengeschlagen hatte. Dieser Tote gehörte Harka, niemand durfte ihn berühren, verstümmeln oder den Hunden zum Fraß vorwerfen. In seinen Festkleidern und mit seinen Waffen sollte Harpstennah bestattet werden. Er war im Kampf gefallen. Harka ging umher, suchte vier Teile von zerbrochenen Zeltstangen und Lederschnüren zusammen, stellte die Stangen zwei und zwei mit den Enden sich überkreuzend auf und hing die Decke mit dem Toten an Kof- und Fußende zusammen auf, so dass sie die Erde nicht mehr berührte. Das war die Art der Dakota, Tote zu bestatten, so dass sie nicht von den Raubtieren aus der Erde gescharrt und zerfleischt werden konnten. Harka blieb bei dem Bestatteten sitzen, er zog die Knie an und legte die Arme darum, das Totenlied für den jüngeren Bruder formte er nur mit den Lippen ohne einen Laut hörbar werden zu lassen. Er sang für sich allein das Lied von den Kindern Mattotaupas, der ein großer Häuptling gewesen war. Der Geist Harpstennah sollte versöhnt werden.“
Die Höhle in den Schwarzen Bergen – Seite 329/330
Später treffen sie auf Untschida, die das Kindergrab erkennt und sich um die vier toten Krieger kümmert. Einzig Harka begegnet ihr mit einem offenen gramvollen Blick.
Das Lager. Mattotaupa führt die Gruppe zurück zum Camp. Während dessen wird Harka krank und bei den Pani in Pflege gegeben. Es ist die Familie, deren einstiges Oberhaupt Harkas Mutter tötete und von dem Harka seine erste Flinte erbeutete. 4
Im Geheimnismann glaubt der Junge Hawandschita zu erkennen. Im Fieberwahn ritzt er sich eine Ader auf und kommt durch den Blutverlust wieder zu Bewusstsein.
Im Camp versuchen die Arbeiter einen Streik, der von Jims Kumpanen zusammengeschossen wird. Harka verhindert einen Mord an einem jungen Wortführer, indem er Jims Büchse nach oben schlägt. Erneut gestehen sich beide ihren Hass.
Für die Arbeit brauchen sie gute Verpflegung. Da bietet sich eine Büffeljagd an und Harka schießt mit zehn Pfeilen 10 Büffel auf seiner ersten Jagd. Die Bärenbande und die Pani jagen dieselbe Herde, ein seltenes Agreement. Den zehnten Büffel schenkt Harka Tschapa, dem Freund aus Kindertagen. Auch der erklärt, mit dem Skalp des roten Jims könnten sie wieder aufgenommen werden.
Am Ende liegen Vater und Sohn beieinander. Der Alte ist betrunken…
Das Buch
War es im zweiten Band des Sechsteilers der Zirkus, in dem Vater Mattotaupa und Sohn Harka die Welt der weißen Besiedler kennen lernen, ist es im dritten Buch der Eisenbahnbau, der in das Leben der freien Präriestämme tritt. Zu Beginn erlebt Harka noch einmal unbeschwerte Kindertage, Wettbewerbe, Jagdabenteuer, aber auch Kampf und Tod zwischen verfeindeten Siksikau und Dakota, darunter das Zusammentreffen zwischen Mattotaupa und Tashunka-witko.
Trauriger Höhepunkt der Geschichte ist der Tod des jüngeren Bruders. Die Unversöhnlichkeit des Vaters, der an die Treue des weißen „Bruders“ glaubt, beraubt in Wirklichkeit die eigenen Kindes ihres Glücks. Während Harka Steinhart Nachtauge zum Einzelgänger wird und zu keiner Seite gehört, gehören will, sind Uinonah und Harpstennah in ihrem Stammesverband die Kinder eines Verräters. Der Junge, von Kind an wegen Krankheit nicht einer der Stärksten und Schnellsten, jedoch treffsicher wie der ältere Bruder, wird gehänselt und gequält, er beschließt, den eigenen Tod als Held, vorzuziehen. Uinonah dagegen wird von Untschida, der Großmutter und Mutter Mattotaupas beschützt. Die Geheimnisfrau ist unangreifbar in der Bärenbande.
Wie wird Harka auf diese Weise ein Krieger werden? Eine der Schlüsselszenen ist die Büffeljagd am Ende des Bandes. Obwohl noch sehr jung, erzielt Harka das Ergebnis eines erfolgreichen und daher großzügigen Büffeljägers; mit vierzehn Jahren machen die jungen Burschen sonst eher erste Erfahrungen bei der Jagd. Harka allerdings lernt diese schon als Kind bei Mattotaupas Meisterstück.
Der Titel des Folgenbandes zeigt förmlich schon auf, wie es weitergeht, denn es folgt die „Heimkehr zu den Dakota“…
Hintergrund – Die Grenzer
Mit den Romanfiguren Adam Adamson und dessen Vater sowie den Zwillingen Thomas und Theo trifft der Leser die „Neuamerikaner“, die, aus der alten Welt kommend, den Neuanfang suchen. Wir befinden uns in etwa im Jahr 1864.5
Die großen Trecks zu Besiedlung des Westens sind bereits Geschichte. Bekanntester Trail ist der Oregon Trail, der südlich der Pacific Railroad verlief.6

Tausende europäische Einwanderer bevölkerten inzwischen die Ostküste und tausende Farmer suchten neues Land im Westen der Vereinigten Staaten. Zu diesen gehörten die genannten Romanfiguren. Der alte Adamson hat aber inzwischen Ärger mit der Landvermessung, aus verschiedenen Gründen sind ganz andere finanzkräftige Compagnien scharf auf die paar Acre, die er sich verschaffen konnte. Das Leben ist teuer und so verdingen sich Thomas & Theo als Fallensteller. Der junge Adam Adamson will ebenso Farmer werden und begleitet die Leserinnen und Leser durch die Geschichte. Auch er verdingt sich zwischendurch als sogenannter Raureiter, Kundschafter für die US-Armee.
Viele kamen nicht zu Erfolg (und Vermögen), sie trampten sinngemäß durch die Gegend und schlugen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Bei der Armee, bei der Eisenbahn oder suchten Gold auf eigene Faust. Dazu gehören Figuren wie der Hahnenkampf-Bill, der Franco-Kanadier Charlesmagne und Jim Clarke, der rote Jim – Red Fox, selbst.

Die Black Hills erstrecken sich zwischen 43°30′ und 45° nördlicher Breite sowie 103° und 105° westlicher Länge. Der im Kartenbild annähernd elliptische Gebirgszug ist etwa 160 km lang und bis zu 96 km breit. Seine Längsachse verläuft in nord-südlicher Richtung. Die Basis der Black Hills liegt in 760 bis 900 m Höhe. Der höchste Punkt ist der Black Elk Peak mit 2.208 m im Süden des Gebirges. In den Paha Sapa, wurde immer wieder nach Gold gesucht. Zu dieser Zeit suchten allerdings eher einzelne Goldsucher danach wie der zahnlose Ben und Red Fox. Es ist durch letzteren ein zentrales Thema, welches bereits in Harka – der Sohn des Häuptlings beginnt. Die größten Goldfunde gab es erst ab 1874, in diesem Jahr erkundete der bekannte George Armstrong Custer die Berge. Daraufhin kam es auch hier zum Goldrausch.
Das Goldgeheimnis, welches Mattotaupa und Harka hüten, hat mit den späteren Goldfunden nichts zu tun. Es wurde von Menschen angelegt. Die Black Hills wurden den Arapaho, Cheyenne und Lakota im Vertrag von Laramie (1851 / 1868) zugesprochen als exklusives Jagdgebiet. Doch bis dahin werden noch ungefähr vier Jahre vergehen.

Hintergrund – Die Eisenbahn
Der Bürgerkrieg, der im Osten der USA immer noch tobt, bindet die meisten Regimenter der USA (Nordstaaten), trotzdem beginnt man ab 1861 mit der Erschließung des Westens auch durch den Eisenbahnbau7. Die Bahn wird es sein, die zuerst tausende von weißen Männern, ausgewandert aus Europa und Asien, auf der Suche nach Arbeit in die Gleisbautrupps treibt. Hinzu kommen Subunternehmen, Jäger, Bauarbeiter für die Stationen, Händler und nach und nach auch Militär zum Schutz der Bahn. Diese führen durch die Jagdgebiete der Prärieindianer und „zerschneiden“ die Wege der für diese notwendigen Büffelwege. Verständlich, dass die Indianerstämme insbesondere der Sioux das „Eiserne Pferd“ als Bedrohung ansehen. Folgerichtig kämpft auch die Bärenbande gegen die Eisenbahnerbauer.
Zwei Eisenbahnunternehmen verlegten Gleise aufeinander zu. Die Central Pacific von Westen her und die Union Pacific aus Richtung Osten. Während die Central Pacific als Arbeitskräfte tausende von chinesischen Einwanderern beschäftigte, stellte die Union Pacific Arbeiter vor allem aus dem Osten ein.
Bei der Union Pacific wurden Mattotaupa und Harka als Scouts angestellt.

Welskopf-Henrich hat damit ein weiteres Mal nicht nur die Geschichte einer Gruppe Lakota erzählt, sie bettet diese gemäß ihrer Geschichtsauffassung auch in die Geschichte der US-amerikanischen Gesellschaft ein. Es ist eine kurze Episode im Eisenbahnbau, die hier geschildert wird. In dieser sind jedoch viele der Problem anschaulich angerissen. Das selbe Prinzip verfolgt sie in Bezug auf die Besiedlung des Westens. Sie erzählt nicht sachliche Geschichte mit Zahlen, Quadratkilometern oder Meilen, sie erzählt ausschließlich durch die Romanfiguren, seien sie Angehörige der Indianer oder weiße Siedler. Bei letzteren sind es die hart arbeitenden, abgehängten, wenig erfolgreichen Menschen, denen das Augenmerk der Autorin gilt.
- Band 1: Harka der Sohn des Häuptlings
- Band 2: Der Weg in die Verbannung
- Fußnoten
- 1) Tashunka-witko oder Tȟašúŋke Witkó ist bereits zu dieser Zeit ein bekannter Krieger und Anführer der Lakota. Vergleiche zu diesem die Biografie Crazy Horse von William B. Matson. Rezension.
- 2) Bereits zu Beginn der Geschichte trifft der 11jährige Harka in der Höhle auf einen Menschen. Nun ahnt er, dass auch damals schon Red Fox hier nach Gold suchte. Siehe dazu Band 1 der „Bärensöhne“
- 3) Top und Harry war der Titel des 2. Bandes der ehemals dreibändigen Ausgabe. Die Bände 3 und 4 der „Bärensöhne“ sind in diesem enthalten.
- 4) Eine Episode in Harka… (Band 1) Zu diesem Band vgl. Entstehungsgeschichte…
- 5) Harka dürfte hier 14 Sommer und Winter gesehen haben. Bei der Rückkehr zu den Dakota (Band 4) dürfte er 24 gewesen sein, das wäre dann zwei Jahre vor der Schlacht am Little Bighorn, die er in Gefangenschaft verpasst.
- 6) Vgl. dazu die US-amerikanische Miniserie Into the West (Rezension), in der die Besiedlung des Westens anschaulich dargestellt wird. Ebenso Kuegler, Dietmar: Ich ziehe mit den Adlern (Rezension)
- 7) Zum Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert vergleiche Kuegler, Dietmar: Der amerikanische Eisenbahnbau
- Quellen der Abbildungen
- Abb 1: Cover verschiedener Ausgaben (Quelle: Internet)
- Abb 2: Quelle Pixabay – Grizzly in den Black Hills Bär Vogel Brown – Kostenloses Foto auf Pixabay / Von Beth Steinhauer, Black Hills National Forest – Black Hills National Forest, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9542947
- Abb 3: Cover 2. Band der ehemals dreibändigen Ausgabe – eigenes Foto
- Abb 4: https://i.shgcdn.com/6649ceec-0104-415a-a9e1-b91e3db051ec/-/format/auto/-/preview/3000×3000/-/quality/lighter/ / https://i.shgcdn.com/db92ca63-7561-4167-86eb-af718c849faf/-/format/auto/-/preview/3000×3000/-/quality/lighter/ / Von Alfred Jacob Miller – Walters Art Museum: Home page Info about artwork, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18835933 / Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=146973
- Abb 5: Von Doug Knuth – https://www.flickr.com/photos/dknuth/7677773868/, CC BY-SA 2.0 / https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46871247 / Von Runner1928 – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57125472
- Abb 6: Handlungsorte in „Die Söhne der großen Bärin“ – Grundbild: Google Maps
- Abb 7: Von from the NPS website at http://www.nps.gov/gosp/index.htm, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=708285 Von Andrew J. Russell – Yale University Libraries, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41243910
© UR (12.03.2023)
Liselotte Welskopf-Henrich, die Indianer & Sabine Uhlig
Dieser Beitrag erzählt von der frühen Indianistik-Szene in der DDR der 1960/70er Jahre. Sucht man nach diesem Begriff findet man einerseits dafür „Wissenschaft von den Sprachen und Kulturen der Indianer“, anderseits findet sich der Begriff im Zusammenhang mit sogenannten Reenactments von indianischen Bräuchen und Alltagsleben. Insbesondere Vereine in der DDR sprachen hier von Indianistik. Daran beteiligt war Sabine Uhlig, die diesen Bericht und die Fotografien zur Verfügung stellte.

Es waren die Anfragen des Karl-May-Museums Radebeul 2019 und die der Kunsthalle Rostock 2021, die mich mehr als ein halbes Jahrhundert zurück versetzten. Man bat, als Vertreterin der frühen Indianistik-Bewegung der 1960er Jahre in der DDR, meine selbst gefertigte indianische Festkleidung und handgearbeitete Westernausstattung sowie meine Sammlung zur DDR-Indianistik, zu der auch Briefe von Liselotte Welskopf-Henrich aus dieser Zeit gehören, als Leihgaben für die Ausstellungen in Radebeul und Rostock zur Verfügung zu stellen.
Meine indianische Kleidung entstand mit Hilfe des Ethnologen Dr. Lothar Dräger, Leiter der Nordamerika-Abteilung und des Forschungszentrums des Museums für Völkerkunde Leipzig/Grassimuseum und einer der profiliertesten Nordamerika-Experten in der DDR. 1968 erhielt ich von ihm Zugang zu interner Museumsliteratur des Grassimuseums und zu Ausstellungsstücken indigener Herkunft des 19. Jahrhunderts. Ich durfte sie vor Ort mehrere Tage studieren und entwickelte dabei unter seiner Anleitung meine indianische Festausstattung. Hauptstück ist ein Lederkleid mit beiderseitiger Perlenvollbestickung, Brandings, Kaurimuschel- u. Glasperlenbesatz. Für die Anfertigung benötigte ich vier Jahre. Es war eine der aufwändigsten indianischen Frauenkleidungen in der frühen ostdeutschen Hobbyindianer-Szene, der ich ab Mitte der 1960er Jahre zehn Jahre lang angehörte. Als Beispiel für die hohe Qualität der Indianistik-Bewegung in der DDR gehörte sie jetzt zu den Prunkstücken der Ausstellungen in Radebeul und Rostock.


Als Zeitzeugin erzähle ich in diesem Beitrag von meinen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen als ostdeutsche Indianistin und von der Bedeutung Liselotte Welskopf-Henrich‘s und ihrer Bücher für unser Arbeit. Ihre Indianerromane hatten mich und viele Hobbyfreunde mit ihrer eingehenden Erzählweise und der Darstellung historischer und sozialpolitischer Ereignisse auf eine Reise hinter den eisernen Vorhang zu den Ureinwohnern Nordamerikas mitgenommen. Ihr ethnologisches Wissen, ihr Einfühlungsvermögen in die indigenen Mentalitäten und ihr Engagement für deren Bürgerrechte ist in jeder Zeile erlebbar. Liselotte Welskopf-Henrich prägte entscheidend mein Interesse an den American Indians. Die authentischen Indianerromane und die Verfilmung der „Söhne der großen Bärin“ verschafften der ostdeutschen Indianistik-Bewegung großes Interesse und Zulauf. Ihre Bücher waren Standardwerke im Cluballtag, aus denen man Wissen und Anregung schöpfte. Ihre Darstellungen in der Pentalogie „Blut des Adlers“ über die Zustände in den Reservationen dieser Zeit veranlasste viele Hobbyfreunde, sich mit dem American Indian Movement (AIM) zu solidarisieren. Obwohl sie Angst hatten, damit in den Focus der DDR-Sicherheitsorgane zu geraten, schrieben sie Protestbriefe an die Regierung der USA und initiierten öffentliche Informations- und Hilfsaktionen. Trotz Liselotte Welskopf-Henrich‘s übervollem Terminkalender unterstützte sie die Indianisten mit ihrem Wissen und ihren Möglichkeiten, mit Kontakten zum AIM und zu Reservationen in den USA. Ihre Romane waren bei der Gruppenarbeit stets parat. Als 1967 „Licht über weißen Felsen“ erschien, verlieh mir unser Club aus diesem Buch den indianischen Namen „Tishunka-wasit-win“ (Schönes-Pferd-Mädchen), übergab mir den neuen Mitgliedsausweis und ein handgefertigtes Kupfermedaillon mit der Gravur dieses Namens. Kette und Ausweis gehörten über 50 Jahre später zu den Ausstellungsstücken in der Kunsthalle Rostock, ebenso wie einer der Briefe von Frau Welskopf-Henrich, in dem sie mir näheres zum Namen „Tishunka-wasit-win“ berichtete. Als ich die Anfertigung meiner indianischen Festkleidung plante, gab sie wertvolle Tipps und zeichnete Mustervorschläge. In einem ihrer Briefe lag ein Stachelschweinborsten verziertes Leder-lesezeichen, eine Handarbeit aus der Pine Ridge Reservation, das sie von ihren Reisen mitgebracht hatte. Die Briefe von Liselotte Welskopf-Henrich sind sehr persönliche Erinnerungen an meine Zeit als Indianistin in der DDR. Sie dokumentieren ihre Zugewandtheit zu ihren Lesern und zur Szene.

Der Indianistik-Bewegung in Deutschland und speziell den Indianisten in der DDR widmete sich das Karl-May-Museum Radebeul seit 2019 in den Sonderausstellungen „Die Deutschen und ihre Indianer“ und „Indianerszene im Osten“. Damit wurde dieses Thema erstmals kuratorisch aufgegriffen. Im Sommer 2021 begeisterte die Kunsthalle Rostock mit der Ausstellung „OST/WESTERN – Kino, Kult und Klassenfeind“. Es war eine Retrospektive mit modernem Blick auf die Indianerfilme als Dokumente ihrer Zeit, die ab den 1960er Jahren in beiden deutschen Staaten entstanden. Die guten Besucherzahlen trotz Corona belegten, daß die 11 bundesrepublikanischen „Karl-May-Filme“ und die 14 DEFA-Indianerfilme der DDR noch heute ihre Anhängerschaft haben. Die sehr erfolgreichen Filme und ihre Protagonisten Winnetou (Pierre Brice) und Old Shatterhand (Lex Barker) sind in die deutsche Kinogeschichte eingegangen, ebenso wie Gojko Mitic, Held der DDR-Indianerfilme und einer der wenigen international bekannten Stars der ostdeutschen DEFA. Während die „Winnetou-Filme“ der bundesrepublikanischen Rialto Film GmbH mit dem recht klischeehaften Bild des Wilden Westens vorwiegend auf die Unterhaltung des Publikums abzielten, ließen die Filmemacher der DEFA historische, ethnologische und sozialpolitische Belange einfließen. Eine besondere Rolle kommt dem ersten Ost-Indianerfilm „Die Söhne der großen Bärin“ nach dem Roman von Liselotte Welskopf-Henrich zu. 1966 war er der fulminante Auftakt zur beliebtesten und profitabelsten Filmreihe der DDR. Die Filmschaffenden der DEFA machten sich die Begeisterung für den Indianerroman Liselotte Welskopf-Henrichs zu Nutze und landeten damit einen internationalen Erfolg, obwohl die Schriftstellerin Vorbehalte bei der filmischen Umsetzung ihres Stoffes hatte. Gojko Mitic wurde zum Star und die Zuschauerzahlen erreichten bis dahin ungeahnte Höhen. Es gelang auch, die expansive Landnahme und den Mord an der amerikanischen Urbevölkerung eindrucksvoll darzustellen. Als im selben Jahr „Nacht über der Prärie“, Liselotte Welskopf-Henrichs ersten Band der Pentalogie „Blut des Adlers“ erschien, waren die Bücher durch ihre große Popularität schnell vergriffen und oft nur „unter den Ladentischen“ der DDR-Buchläden zu bekommen. Die Kunsthalle Rostock würdigte die besondere Rolle Liselotte Welskopf-Henrichs und nahm auch Bezug auf die Indianistik-Bewegung in der DDR.
How Kola –Indianistik in der DDR
Schon um die 1920er Jahre befassten sich in Deutschland erste Interessengemeinschaften mit den Ureinwohnern Nordamerikas, eine Faszination, angeregt durch die Auswanderungsbewegungen, die fragwürdigen landesweiten Völkerschauen, die Deutschlandtourneen der amerikanischen Westernshow des „Buffalo Bill“, die Indianerliteratur u.a. von Karl-May.
Die Bevölkerung der DDR entwickelte eine ganz besondere Hinwendung zu den American Indians. 1956 gelang es Johannes Hüttner „Powder Face“ nach hartnäckigen Bemühungen bei den DDR-Behörden in Radebeul, dem Stammland von Karl-May, die erste Indanistik-Gruppe „OLD MANITOU“ zu gründen.

Bald folgten Clubgründungen in Taucha bei Leipzig, in Meißen, in Magdeburg. Die wachsende Indianistik-Bewegung wurde zähneknirschend behördlich geduldet und von den Sicherheitsorganen überwacht. Bis in die 1980er Jahre bildeten sich 50 Clubs mit mehr als 1000 Mitgliedern als Volkskunstgruppen in verordneter Trägerschaft eines volkseigenen Betriebes oder unter dem Dach des Kultur- u. Sportbundes der DDR. Die Indianisten lebten keine Wildwest-Romantik. Sie befassten sich auf völkerkundlicher Basis mit Kultur, Brauchtum und Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas des 19. Jahrhunderts. Diese waren unterschiedlich in ihrer Lebensweise und äußeren Erscheinung. Jeder Club spezialisierte sich deshalb auf eine indianische Nation, erforschte und erlernte hobbywissenschaftlich indianisches Leben, Riten und Handwerkstechniken. Mit höchstmöglicher Authentizität wurden Kleidung, Alltagsgegenstände, Waffen selbst hergestellt und als experimentelle Archäologie in ihrer Alltagstauglichkeit geprüft und genutzt. Die frühen Indianisten betrieben auch den Westernbereich mit Enthusiasmus. Dazu gehörten kunstvolle Lederhandwerkstechniken und Metallgravierarbeiten für die selbst gefertigten Pistolengurte, Messerscheiden, Gürtelschnallen, lagen Bullenpeitschen, historischen Revolver und Repetiergewehre, mit denen man virtuos umzugehen verstand. Obwohl man sich mit der Einwanderungsbewegung befasste, waren die Indigenen Nordamerikas steter Schwerpunkt. Die Organisation der Materialien für die Herstellung der Indianer- u. Westernausstattung bedeutete in einem Land der ständigen Mangelwirtschaft eine vehemente Herausforderung. Im zum westlichen Ausland abgeschotteten Staat, in einer Zeit ohne World Wide Web, ohne Telefon in den meisten DDR-Haushalten und begrenztem Angebot in den Buchläden gab es kaum Zugang zu wissenschaftlichem Material. Ethnologisches Wissen wurde aus den Völkerkundemuseen der DDR geholt, aus den ethnologischen Bereichen der Universitäten und über Schlupflöscher aus dem „Westen“ besorgt. Oft schmuggelten unsere Omas, die dazu ihre Rentnerreisefreiheit in die BRD nutzten, Fachmaterial mit großem Herzklopfen durch den ostdeutschen Zoll. Trotz dieser Schwierigkeiten entwickelten sich viele DDR-Indianisten zu hobbyethnologischen Experten, die ihr Wissen und ihre Fertigkeiten innerhalb der Gruppen, bei fachbezogenen Ausstellungen und Vorträgen weiter gaben. Das Hobby verlangte große Leidenschaft, denn es forderte viel Zeit und einen hohen Einsatz.

Die Behörden wiesen den meisten Clubs ein eigenes naturbelassenes Gelände zu. Es wurde von den Mitgliedern in vielen Aufbaustunden urbar gemacht und mit einem als Vereinsgebäude dienenden Blockhaus in Form eines Westernsaloons oder Ranchgebäudes bebaut. Auf den Höhepunkt des Jahres, das Treffen der ostdeutschen Indianisten zum mehrtägigen gemeinsamen Indianerlager, dem Great Indian Council, später der Indian Week und den Pow Wow‘s wurde das ganze Jahr hingearbeitet. Im Wechsel richtete jeweils ein Club auf seinem Gelände die Großveranstaltung mit Publikumsverkehr aus, eine Aufgabe mit anspruchsvollem Eventmanagement. Die Treffen dienten dem Leistungsvergleich und Wissenstransfer unter den Clubs. Als Aushängeschild der Bewegung lockten sie viele Besucher an. Wissenschaftler, Presse und Fernsehen, Kultur- und Filmschaffende wie die führenden DDR-Ethnologen und eine Reihe bekannter Filmstars aus den DEFA-Indianerfilmen waren häufige Gäste. Die meisten Gruppen der frühen Indianistik-Szene absolvierten das Jahr über ein reichhaltiges Auftrittsprogramm bei städtischen Veranstaltungen und bei den Uraufführungen der DDR-Indianerfilme. Im aufgebauten Indianerlager erwartete das Publikum professionell gestaltete Indianer- u. Westernfolklore. Jeder Hobbyfreund hatte hier je nach Fertigkeit seine Aufgaben. Im bunten Geschehen indianischen Brauchtums bewegten sich hobbyindianische Tänzer in ihrer mit großem Aufwand gefertigten indianischen Kleidung zum Tam-tam der Trommeln. Die Messer- u. Tomahawkwerfer zielten auf ihre Partner an der Holzwand. Und während die nächste Nummer vorbereitet wurde, erklärte der Chief in indianischer Festkleidung mit Federhaube den Zuschauern Wissenswertes über die nordamerikanischen Ureinwohner. Im zweiten Teil kamen u.a. die Cowboys mit zwei Meter langen, scharf knallenden und nicht ungefährlichen Bullenpeitschen zum Einsatz. Bis zum letzten Schnipsel schlugen sie ihren Partnern eine Zeitung aus den Händen und zum Höhepunkt die Zigarette aus dem Mund. Die Auftritte waren bei der Bevölkerung sehr beliebt. Die Hobbyindianer vermittelten einen Hauch Amerika und entführten die Ostdeutschen in eine für die Meisten unerreichbare Welt hinter der unpassierbaren Landesgrenze. Daß die Indianistik-Bewegung speziell in der DDR so erfolgreich wurde, ist sicher nicht zuletzt der fehlenden Reisefreiheit geschuldet. Nach der Wende gab es eine Neuorientierung. Es lösten sich viele Hobbygemeinschaften auf, einige blieben und sind bereits in dritter Familiengeneration dabei. Es entstand eine andere gesamtdeutsche Indianistik- und Westernszene, die sich in unterschiedlichen Dachverbänden und an unterschiedlichen Ausrichtungen orientiert und europaweit tätig ist. Trotz Nachwuchsproblemen gehören heute in ganz Deutschland 45 Interessengemeinschaften zum „Indianistikbund“.



Sabine Uhlig – Dezember 2021
Sämtliche Fotos wurden von Sabine Uhlig zur Verfügung gestellt. Urheber konnten nicht in jedem Fall festgestellt werden.
Vielen herzlichen Dank an Sabine Uhlig für diesen inhaltreichen Beitrag anlässlich des 120en Geburtstag von Liselotte Welskopf-Henrich. So wie der Begriff „Indianer“ derzeit und gelegentlich kontrovers diskutiert wird, der korrekte Begriff wäre „Native Americans“ oder „Indigene Völker“, werden auch die Indianistik-Gruppen kritisch betrachtet. Dies zeigt auch die MDR-Media-Reportage „Hobby-Indianer – Indianistik im Wandel der Zeiten“ In dieser kommen Indianisten, Amerikanisten und Native zu Wort. https://reportage.mdr.de/hobbyindianer#2465
Die Romane von Liselotte Welskopf-Henrich hatten großen Einfluss auf ein erneuertes Bild auf vor allem nordamerikanische indigene Völker, abgesetzt vom vielleicht vorherrschenden deutschen Karl-May-Bild. Dies gilt insbesondere für die DDR, wurde aber auch in der Bundesrepublik durchaus bemerkt. Schon mit den „Bärensöhnen“ wurde dieses Bild entwickelt. mit der Pentalogie „Das Blut des Adlers“ wurde das Bild verstärkt und der Fokus auch auf das Leben und die Kultur der Völker in den 60iger Jahren und damit auch auf immer noch anhaltende soziale Probleme des 20. Jahrhunderts gelegt. Darin besteht Liselotte Welskopf-Henrichs Verdienst. Die Indianistik-Gruppen beriefen sich nicht nur auf Liselotte Welskopf-Henrich (Die Tauchaer Gruppe befasste sich mit Mandan-Völkern), jedoch waren die hohen Auflagen natürlich bekannt und beliebt. Gleichermaßen dürften die Gruppen zur Verbreitung der Bücher beigetragen haben.
Uwe Rennicke (29.12.2021)
Kath in der Prärie (Kurzgeschichte)

Ein Mädchen auf dem Weg inmitten von Rauhreitern, Scouts und Soldaten in der Prärie. Eine Munitionskolonne soll in das Fort am Niobrara gebracht werden. Dort möchte Kath ihren Vater treffen, einen älterern weißhaarigen Major der US-Armee mit Namen Smith. Mit dabei ist ein Leutnant Roach, der als Verlobter des Mädchens gilt, welches bisher von ihrer Tante Betty, einer wohlhabenden Witwe, erzogen wurden ist.
Die Munitionskolonne wird von einer Dakota-Abteilung überfallen, die ein gewisser Tokei-ihto führt. Die Auseinandersetzungen mit der US-Armee werden häufiger, da inzwischen der Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten beendet wurde. Wir befinden uns in der Mitte der siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts, genauer im Jahr 1876, dem Jahr der Indianerschlacht am Litte Bighorn.
Kath trifft auf ein paar Männer, die im Laufe der Geschichte eine Rolle spielen werden. Da ist der Farmerssohn Adam Adamson, der Geld braucht, um das Land seines Vaters vor den großen Grundstücksgesellschaften zu retten, die die Hand nach dem mittleren Westen ausstrecken. Da sind Thomas & Theo, gutmütige Zwillinge, ehemalige Biberjäger, Fallensteller und Cowboys, der etwas weichherzige Tom sowie ein Händler und Schmuggler, der zahnlose Ben. Die alten Grenzer erzählen ihr von ihrem nicht leichten Leben im Grenzland. Erwähnt werden die Goldsucher und auch ein Indianeraufstand in Minnesota im Jahre 1962.
Während des Überfalls übernimmt Kath die Zügel eines Wagens und fährt allein in die Prärie hinaus, bis ein hoch gewachsener schlanker Indianer auf einem Falbhengst vor ihr auftaucht. Kurz darauf kommt es zum Schusswechsel zwischen dem „Roten“ und Bloody Bill, der beim Mord am Vater des Indianers dabei gewesen war. Tokei – ihto geht aus dem Zweikampf siegreich hervor und bringt die junge Frau in die Nähe des Forts, wo Thomas und Theo sie treffen und in das Fort begleiten, bis dort der Ruf ertönt: „Roter reitet an die Station heran!“
Soweit zu der „Indianer“-Geschichte für Kinder, die im Jahre 1956 im Altberliner Verlag Lucie Groszer herausgegeben wurde. Sie befindet sich in Heft 3 der Bären-Lese-Hefte. Auf der letzten Seite befindet sich der Hinweis, dass die weiteren Erlebnisse von Kath im Buch „Die Söhne der großen Bärin“ zu finden ist.
Jedoch findet sich die Geschichte, die im Heft erzählt wird, weder in der Erstausgabe (1951) des erwähnten Romans und auch nicht in der von 1958. Liselotte Welskopf- Henrich hat sie aber später in der dreibändigen (letzter Band) bzw. im im fünften Band Der junge Häuptling der sechsbändigen Ausgabe des Romans aufgenommen.

Liest man dort das Kapitel Cate in der Prärie, sind den Rezipienten der Pentalogie bereits alle Figuren bekannt. Kath/Cate, ihr Vater, Tante Betty und selbst der spätere Leutnant Roach treten erstmals im zweiten Band Der Weg in die Verbannung auf. Kath besucht eine Zirkusvorstellung , in der Harka / Harry, der spätere Tokei – itho und sein Vater Mattotaupa auftraten, es war deren letzte Vorstellung. Sie hat den jungen Häuptling also bereits gesehen, woran sie sich aber nicht erinnern wird.

Auch die anderen Romanfiguren sind dann schon bekannt. Die wichtigsten sind Adam Adamson und Thomas & Theo. Der alte Adamson war vor Jahren Händler und verkaufte auch Waren einschließlich alter Waffen an Indianer und kaufte zum Beispiel Felle von den Jägern Thomas & Theo. Diese beiden lernte der junge Harka steinhart Nachtauge auf einem Jagdausflug mit seinem Freund Stark wie ein Hirsch kennen. Diese Begebenheiten finden wir im Band 3 – Der Weg in die Verbannung.
Im Film Die Söhne der Großen Bärin hingegen, bringt der junge Häuptling die junge Frau direkt in in das Fort.
Kath in der Prärie ist ein Beispiel dafür, dass Liselotte Welskopf-Hernrich zeitnah nach der Erstveröffentlichung ihres ersten Romans über die „Bärensöhne“ und Tokei – itho in Fragmenten die Vorgeschichte anlegte. Ob die Autorin dabei bereits im Sinn hatte, die Kinder Kath und Harka aufeinandertreffen zu lassen, bleibt unbekannt. Auf jeden Fall gab sie einen Ausblick auf mögliche Fortsetzungen.

Der Altberliner Verlag verweist im Jahr 1954 auf die Ergänzung in seinem Druckantrag und betont dabei, dass „die entschlossene Härte der Kampfführung von Seiten der Indianer ihre Ritterlichkeit nicht ausschließt.“
- [1] http://www.argus.bstu.bundesarchiv.de/dr1_druck/mets/dr1_druck_5104/index.htm?target=midosaFraContent&backlink=/dr1_druck/index.htm-kid-5f9b7f19-e705-47b7-a5a4-005e6834e853&sign=DR%201/5104#52 – 23.12.21, 15:00 Uhr
© UR – 23.12.2021

